Mein Baby Benjamin

Oktober 2015

 

Mein liebes Baby, mein lieber Benjamin

Es ist schon mehr als 39 Jahre zurück als ich dich geboren habe.
Eine Geburt ist ein schönes freudiges Ereignis mit vielen schönen Emotionen. Deine Geburt war mit tiefer Trauer und Herzschmerz. Es gibt keine Worte, wie mir das wehgetan hat. Ich habe dich Tod geboren. 9 Monate habe ich dich unter meinem Herzen getragen und dann diese schlimme Geburt. Mein liebes Baby, ich durfte dich nicht sehen, ich durfte nicht in meine Arme schliessen, ich durfte mich nicht von dir verabschieden.
Es war so schmerzhaft, man hat mir einfach mein Baby weggenommen. Und dann wurdest du mit einer anderen Leiche namenlos, unbekannt –entsorgt-. Es zerreisst mir noch heute das Herz, wenn ich das nieder schreibe. Es ist unvorstellbar, aber so war die damalige Praxis. Uns so ging ich ohne mein Baby nach ein paar Tagen wieder nach Hause. Mein Herz war gebrochen und meine Trauer unendlich tief. Ärzte und Hebammen gaben mir den Rat, dich meine liebes Baby schnell zu vergessen und wieder schwanger werden. Ich konnte dich nicht vergessen mein lieber Sohn, ich konnte es nicht. Der Schmerz war so gross.
Mein lieber Benjamin, ich war stolz mit dir schwanger zu sein. Ich freute mich riesig auf dich. Du warst ein liebes Baby in meinem Bauch, einfühlsam und zart. Ich hatte eine wunderschöne Schwangerschaft mit dir. Du machtest mir keine Schmerzen und kein Unwohlsein. Danke mein lieber Benjamin, dass du so lieb zu mir warst und ich die Schwangerschaft mit dir geniessen konnte. Ich war in dieser Zeit überglücklich. Mit deiner Geburt wurde mein Glück zu Schmerz und Trauer. Mein Traum, ein Baby von meiner grossen Liebe zu bekommen, war abrupt zu Ende.
Ich konnte dein Zimmer nicht betreten, es war alles für dich vorbereitet. Der Stubenwagen wartete auf dich und die vielen Kleidchen, die ich für dich gestrickt und eingekauft hatte. Es hat mir mein Herz zerrissen, dein Zimmer zu betreten. Das Glücksgefühl, was ich mit dir in meinem Bauch hatte, konnte ich nie wieder in meinem Leben erfahren. Ich habe immer etwas gesucht in meinem Leben, immer etwas vermisst und ich war nie richtig zufrieden. Mein Glas war immer halb leer. Ich habe dich gesucht mein Baby, ich habe dich vermisst mein Sohn. Heute weiss ich es und erst heute kann ich trauern und unendlich viel Tränen weinen. Dazu brauchte ich 39 Jahre. Verzeih mir mein Baby, dass ich so lange gebraucht habe. Weil der Schmerz so unerträglich war, habe ich alles ausgeblendet. Ich habe dich mein Baby, meinen Schmerz, meine Trauer und meine Gefühle die vielen Jahre ausgeblendet. Ich habe das getan, um überleben zu können. Mit dem unglaublichen Schmerz und der tiefen Trauer konnte ich nicht leben. Deshalb habe ich auch nie mit deinem Papi darüber gesprochen. Der Schmerz, der Verlust waren einfach zu gross.
Jetzt habe ich die Kraft dir zu schreiben, wie ich mich damals fühlte. Es ist auch heute noch sehr schmerzhaft und traurig.
Mein liebes Baby, ich danke dir, dass ich mit dir Schwanger sein durfte, dass du so lieb zu mir warst und dass ich dich natürlich gebären konnte. Das war trotz der Trauer ein wunderschönes Gefühl. Du warst ein wunderbares Baby.
In meinem Herzen lebst du weiter und wirst mich immer begleiten. Ich hab dich lieb mein Baby.

Dein Mami