Fynn

 

 

 

Kleine Fynn

16 Monate, 16 elend lange Monate ist es nun her, daß ich dich einmal sehen durfte.
Einen Moment lang- einen Moment, den ich bis in alle Ewigkeit fest halten werde,
einen Moment, der sich bis in alle Ewigkeit in mein Herz gebrannt hat.

Du hast mich so verändert, du hast mich unaufhörliche Schmerzen spüren lassen
die ich niemals für möglich gehalten hätte und du hast mich eine Liebe spüren lassen,
die ich niemals ein Mensch beschreiben könnte.

Ich bin dir dankbar- unendlich dankbar, daß du bei mir warst, daß du in mir "gewohnt" und gelebt hast,
daß ich in dein wunderschönes Gesicht blicken durfte.
Ich bin dir dankbar dafür, dich geboren haben zu dürfen,
dich einen Moment halten zu dürfen, dich an mich drücken zu dürfen-
dich lieben zu dürfen.

Fynn....manchmal ist es wie ein Traum- ganz verschleiert und fern & manchmal so tief in mir & ich habe noch immer schreckliche Angst es in mir hochkommen zu lassen.
Ich habe noch immer keine Ahnung wie ich damit umgehen soll.
Zwischen meinem Kopf und meinem Herzen ist eine so dicke Barriere, weil ich mich nicht traue mich ganz und gar in meinen Gefühlen gehen zu lassen.
Ich glaube nicht, daß ich es dann schaffen werde mich wieder aufrecht zu stellen,
wieder einen klaren Verstand zu bekommen und weiter in meinem Leben funktionieren zu können.


Am Tag als ich mit dir zu meinem Arzt gegangen bin habe ich mich auf unser erstes CTG gefreut. Zum ersten Mal dein Herz hören, wie es schlägt, wie es lebendig ist....
Als die Arzthelferin dich nicht gefunden hat, dachten wir, daß es wiedermal ein Versteckspiel von dir sei, daß du nur allzu gerne mit uns getrieben hast.
Aber die Fr. Doktor bestätigte mir, daß man ganz schwach dein Herzchen hörte, halt nur ein wenig versteckt.

Aber mich überkam trotzdem so ein Angstgefühl. Ich saß im Wartezimmer und betete immer wieder leise vor mich hin, daß es dir gut gehen soll,
daß du leben sollst, aber ich hatte Angst...Angst...Angst...

Noch niemals lag ich beim Arzt so schnell auf der Ultraschalliege & es kam mir Ewigkeiten vor,
als er mit dem Gerät über meinen Bauch fuhr & einfach immer nur guckte und nichts sagte.
Ich habe ihn tausendmal gefragt, was denn los ist- was denn nur los ist.
Er sah mich an und sagte mir, daß er keinen Herzschlag feststellen könnte.....
keinen Herzschlag...keinen Herzschlag...keinen Herzschlag...hämmert es noch heute in meinem Kopf & ich glaube vor lauter Schmerz hat auch meins einen Augenblick lang aufgehört zu schlagen.

Ich weiß nicht, ob ich in diesem Moment überhaupt irgendetwas dachte,
alles in mir hat sich zusammen gekrampft, die Tränen sind nur noch geflossen und mir war schwindelig, in meinem Kopf war ein Rauschen....keinen Herzschlag....keinen Herzschlag.....
tot? Mein Baby? Tot? Kein Herzschlag? Was? Ein Irrtum!!! Tot? NEIN!!! MEIN BABY !!!!!!!

Ich kann mich kaum noch erinnern, Thorsten kam in die Praxis, der Arzt redete mit ihm, wir fuhren ins K'haus- Ultraschall.
"Frau......, wir müssen ihnen leider bestätigen..."
Ich will hier weg, ich muß weg hier. LÜGE! Raus, raus, raus hier-
Niemand nimmt mir mein Baby!
Jetzt? Geburt? Kind holen? Beruhigungstabletten? NEIN- raus hier...Thorsten...ich möchte nach Hause...bitte...

Tränen...Tränen...Tränen, zittern, schwindelig...kein Herzschlag...tot...Geburt einleiten...
Tabletten...Thorsten geschockt& ich irgendwo...irgendwo eingesperrt in Gefühlen...in einem Chaos aus Schmerzen...Fassungslosigkeit...in nicht glauben wollen- nicht verstehen können..
Lüge... alles Lüge!

Die ganze Familie saß bei meiner Mutter in der Küche, meine beste Freundin, Schwiegermutter,
ich verkroch mich schnell in mein Bett- Thorsten immer an meiner Seite-
danke Thorsten- danke!
Sag mir doch, daß ich träume, sag mir, daß das nicht wahr ist.
Ist das wahr?
Halt mich fest- alles Lüge, unser Baby ist nicht tot.
Es hat mich noch so feste getreten gestern, gestern?
Vorgestern? Oh Gott ich weiß es nicht. Ich habe nicht genug auf unser Baby aufgepasst.
Was ist passiert??? Was habe ich gemacht? Was habe ich falsch gemacht?
WARUM????
Zwischendurch habe ich ein Glas Wein getrunken, der Renovierungsstress...habe ich zu hart mit angepackt?
Oh Gott, mein Baby...ich habe mein Baby umgebracht....

"Hey du"...- meine Hände halten immer meinen Bauch... "hey Kleines, lebe doch bitte wieder...lebe- bitte, bleib doch bei mir! Ich liebe dich so...übermorgen kommt dein Kinderzimmer- es ist alles vorbereitet- ich warte och schon so auf dich bitte....bitte
OH GOTT BITTE-ES TUT MIR SO UNENDLICH LEID! BIIIIITTE!!!!

Manchmal bin ich in dieser Nacht vor Erschöpfung eingenickt, dann immer wieder aufgeschreckt & es wurde mir immer bewußter....mein Baby ist tot.
Morgen wird die Geburt eingeleitet.
Nein! Ich möchte nicht, daß sie dich holen. Sie wollen dich mir nur weg nehmen.
Nein, auch wenn du tot bist, bleib bei mir, bleib wenigstens in meinem Bauch, bitte bleib-
das ist doch das Einzige was ich noch von dir habe....du mußt bei mir bleiben & wenn du tot bist, möchte ich mit dir sterben...mit dir gehen, bei dir bleiben-
die dürfen dich nicht holen.
Und wenn du meinen Körper vergiftest, dann soll es so sein & wir gehen gemeinsam- ich lasse dich nicht los- niemals.

Und deine große Schwester? Und Thorsten? Oh Gott, was soll ich nur tun? Was, nur was...
unser Baby.....

Der nächste Morgen & ich liege wie gelähmt im Bett. Ich will nicht ins K'haus- ich schaffe das nicht- ich bin eine sehr starke Frau, aber ich schaffe das nicht.
Medikamente- ja, die sollen mir so viele Medikamente geben, daß ich überhaupt nichts mehr mit bekomme....ja..., ich glaub ich schaff das nicht,
nein, ich kann doch nicht...

Ich bekam ein Einzelzimmer & Thorsten war einfach jede Minute für mich da. Wo er die Kraft hergenommen hat weiß ich nicht, aber er war immer bei mir und das war gut so.
Ich wollte ihn davor verschonen & sagte ihm, daß ich nicht wollte, daß er bei der Geburt dabei ist.
Ich glaube es reicht, wenn mich das mein Leben lang prägt & quält & ändern kann er auch nichts an der Situation, nein Thorsten, nein, du gehst da nicht mit in den Kreißsaal- ich möchte das nicht.
Ich lag da, mit dem Tropf an meiner Hand um die Wehen einzuleiten, ich sagte dem Arzt, daß ich nichts mitbekommen möchte, er soll mir so viele Tabletten wie möglich geben.

Ich habe keine Wahl, aber ich möchte schreien, möchte davon laufen, mich irgendwo mit meinem Baby verstecken & dem Schicksal seinen Lauf lassen....aber ich halte still...ich lasse alles über mich ergehen, ich habe Angst, ich möchte doch mein Baby behalten.
Warum lasst ihr mir denn mein Baby nicht ?!?!?!

Der Tag vergeht, irgendwann kommt eine sehr enge Freundin vorbei. Was sie will weiß ich nicht. Mich trösten? Mir beistehen?
Ach, ihr habt doch keine Ahnung- verpisst euch- lasst mich allein!!!
Ich kann mir euer Gelabere nicht anhören- haut ab!!!!
Immer mehr Schmerzen in meinem Bauch, ich lasse mir eine Spritze nach der anderen geben....mein Baby...noch mehr Schmerzen...noch mehr Spritzen, ich fühle mich benebelt.
Thorsten ist da, die ganze Zeit.
Er lässt mich in Ruhe- danke. Er kennt mich, versucht nicht mich mit irgendetwas zu belabern, ist einfach nur da und hilft mir so still.
Blicke austauschen, sich verstehen...einfach nur da sein.

Der Abend kommt, ständig muß ich zu Toilette, ich habe so schlimme Schmerzen-
kommt schon, noch eine Spritze, ich bin noch viel zu bewusst im Geschehen- ich habe Angst- habt ihr nichts stärkeres?

Wieder zur Toilette, was drückt da?
Was ist...oh Gott, das Köpfchen, ich bin auf Toilette und spüre das Köpfchen- ich kann es anfassen- HILFE,
warum ist Niemand da?
Hilfe, mein Baby, gleich fällt es, es rutscht einfach aus mir heraus THORSTEN, wenn ich jetzt gehe fällt es, es wird sich verletzen, was soll ich nur tun?
Mein Herz schlägt in jedem Körperteil, ich fühle mich so hilflos-
hey kleines Baby- bleib da- bleib in mir....Hilfe....

In Gänsefüßchen & der Hand zwischen meinen Beinen gehe ich langsam zurück ins Zimmer- "THORSTEN, das Köpfchen- ich fühle es.
Das Baby- versteh doch- es rutscht aus mir heraus...schnell...."
Ich muß mich auf's Bett legen, Thorsten läuft in den Flur und ruft immer & immer wieder nach der Schwester, sie kommt, versucht mich zu beruhigen.
Das ganze Bett ist nass- die Fruchtblase ist geplatzt...ich habe Angst...es will raus aus mir...es will nicht bei mir bleiben...bitte....bleib doch...lass sie uns nicht trennen...bitte...

Ich sitze im Kreißsaal- "Thorsten, geh- bleib nicht bei mir- bitte"
Er möchte bei mir bleiben, ist nicht dazu zu bewegen mich alleine zu lassen.
Ich möchte noch eine Spritze, ich bekomme doch alles mit.
Nein, ich schaff das nicht- ich möchte mein Baby behalten- nehmt es mir doch nicht weg!!!

Keine Spritze? Schon zu viel? Müsste eigentlich total weg sein?
BIN ICH ABER NICHT !!!! Pressen? warum jetzt pressen- oh Gott, das geht von alleine, kann meinen Körper nicht davon abhalten, alles spannt sich, ein irrer Druck....nochmal..?

Ich schau nach oben, Thorsten- danke das du da bist, danke daß du dich nicht wegschicken lassen hast- ich bin so dumm....danke..
Hilf mir bitte- irgendwie, aber hilf mir doch bitte.
Ich spüre immer mehr wie es daraus kommt- halb betäubt und doch völlig klar.

Noch ein bißchen...noch ein bißchen...die Hebamme mach mir Mut, guckt mich mit einem durchdringenden Blick an der mir Kraft gibt....gleich...noch ein bißchen.....
Was tu ich eigentlich- ich möchte mein Baby doch behalten- es soll doch in mir bleiben-----
nehmt es mir doch nicht weg....es ist draußen...
ein Mädchen...Tränen....ein Mädchen-
wo ist es? In ein Tuch gewickelt- die Schwester eilt mit ihr heraus.
Jetzt noch die Nachgeburt....mein Kind- wo ist meine Tochter?!?!?!
Ein Mädchen- oh Gott, ich kann es nicht glauben, ich bin einen Moment lang glücklich, als könnte ich sie gleich in die Arme schließen und mit nach Hause nehmen.

"Gleich Frau ...., gleich, die Schwester macht sie eben noch etwas zurecht & dann bekommen sie sie"
Ja, ok- ich bekommen mein Baby- unser Mädchen. Ich bin so verwirrt, benebelt, irgendwie soo fern der Realität....
gleich bekomme ich meine Tochter...mein kleines Mädchen...Thorsten drückt meine Hand- lächelt mich an... ich bin so weit weg.....so weit.....
Mama im Flur? Hier? Was will sie? Geh doch- geh doch wieder nach Hause, ich möchte Niemanden sehen.
Da kommt die Schwester mit einem Tuch im Arm....mein Mädchen, meine Tochter......wie sie heißen soll?
"Thorsten- Fynn oder Anna? Was möchtest du?" ( Fynn.....bitte Fynn)...
Fynn, ja er möchte auch, daß sie Fynn heißt.
Ich bekomme sie- Fynn...meine kleine Fynn.
Du bist wunderschön...Tränen...Tränen...Tränen...verwirrt....Gefühle- so stark-
so unbekannt.
Laßt mich allein, alle, bitte einen Augenblick, du auch Thorsten nur einen Moment.....danke.

Fynn, wie groß du bist...46 cm 1650gr., du hast wunderschöne Haare, oh Gott, du bist bildhübsch...Fynn, mit der kleinen Blume- eine Gerbera in deiner kleinen Hand-
so wunderschön...meine Fynn...meine Fynn....Fynn, du bist tot- du bewegst dich nicht, du lächelst mich nicht an, du weinst nicht, gar nichts- Fynn..warum, warum möchtest du nicht bei mir bleiben? Habe ich dich nicht verdient? ....Hey kleine Maus...bitte....
lächele mich doch nur einmal an, nur einmal. Ich möchte diesen Moment festhalten-
ganz fest, ich möchte dich fest halten.
Ich drücke dich an mich, ganz vorsichtig.

Ich schau dich an. Dein Gesichtchen, deine kleine Nase, deinen zuckersüßen Mund, deine Händchen-
aber du, du schaust mich nicht an, du willst nicht bei mir bleiben.
Fynn....warum? Bitte einmal, gib mir doch irgendein Zeichen! Nein?
Du willst mich nicht- du willst einfach nicht bei mir bleiben?
Du meist wir hätten dich nicht verdient...."Thorsten, komm rein...bitte, wenn ich noch eine Minute länger mit ihr alleine bleibe werde ich wahnsinnig."
Ich kann es nicht erklären, ich fühle es, ich fühle wie ich kurz davor bin meinen
Verstand zu verlieren.

Das darf ich nicht zulassen, das darf nicht passieren.....Fynn.....Fynn...... FYYYYNN

Danach? Lücke. Ausgewischt aus dem Gedächtnis. Ich habe sie der Schwester wieder gegeben- aber ich weiß es nicht.
Die Medikamente? Mein Verstand? Ich habe sie hergegeben- einfach so-
ich möchte sie doch gar nicht hergeben! Soll ich wieder zu ihr gehen?
Und dann? Nein...ich kann nicht.

Der nächste Morgen ist schon da, die Medikamente haben aufgehört zu wirken-
Fynn? Wo bist du?  Mein Baby? was ist passiert...wo...?
Oh Gott, ich weiß- in der Leichenhalle---
            -----L E I C H E N H A L L E -----
schallt es durch meinen kopf. Grausam- unbeschreiblich.




Du müsstest doch bei mir sein! Ich müsste dich doch jetzt stillen- ich wollte es so gerne.
Ich müsste dich baden.
Ich möchte deinen Duft einatmen, dich mit in mein Bett nehmen, mit dir knuddeln, dich voller unfassbarem Glück anstrahlen, dich streicheln, dich lieben, dich an mich drücken,
dich bestaunen, in deine Augen sehen, mich einfach an dir erfreuen und dankbar sein dich haben zu dürfen.

Aber ich darf dich nicht haben.
Du bist nicht da. Du hast mich alleine gelassen und mir stattdessen einen unbenennbaren Schmerz hinterlassen- überall.
Mein Herz krampft sich zusammen, ich verstehe nicht, ich verstehe einfach gar nichts.

es tut nur weh....soooo weh...

Thorsten, du bist da- was ist passiert- warum ist es passiert?
Was haben wir getan um so bestraft zu werden? Was habe ich getan, daß sie nicht bei mir bleiben wollte?
" Thorsten, ich möchte nach Hause- ich muß raus hier, ich halte es nicht aus."
Unsere Tochter- unsere Fynn- sie liegt in der Leichenhalle- verstehst du?
Sie ist tot & nichts und Niemand kann sie uns wieder bringen- einfach tot-
sie hatt uns einfach alleine gelassen mit allen Fragen, mit allen Ängsten und diesem grausamen Schmerz.

Sie liegt jetzt da, mit irgendwelchen fremden Toten, in irgendeinem Raum, kalt...alleine....
tot....
Ich möchte so gerne noch einmal zu ihr, aber ich kann es nicht....ich kann es nicht.
Vielleicht so, wie sie nicht bei uns bleiben konnte- es geht einfach nicht, so sehr ich es auch möchte.
Aber sie ist doch da ganz alleine & friert bestimmt, bestimmt hat sie genauso Angst , wie ich sie jetzt habe, aber Fynn, da wo du jetzt bist-
was soll ich tun......
Lieber Gott, einmal ein Wunder? Ein einziges Mal & ich werde dich nie wieder um etwas bitten-
gib mir doch mein Baby wieder....bitte Gott.....


Nichts passiert....nichts.... ich fühle mich so leerr & trotzdem so voller Verzweifelung, fast gelämt von all dem.
Ich spreche noch kurz mit dem Arzt, dann bin ich auch schon wieder zu Hause.
Ich liege im Bett, allein, mein Bauch tut weh, er ist dick, aber leer....einfach leer...
Kein Baby, keine Tritte... keine Wölbungen, weil sie sich dreht & mir " hallo " sagen möchte.
Ich habe sie zurückgelassen, ganz alleine, bin einfach gegangen- ohne sie.
Fynn....es tut mir so leid- so unendlich leid...

Was soll ich nur tun? Warum sagt mir denn Niemand was ich tun soll?
Warum habe ich mir so viele Medikamente geben lassen? Warum war ich nicht bewusster bei ihr? Der einzige Moment, den ich mit ihr hatte, benebelt vor lauter Spritzen.
Warum hat mir keiner gesagt was richtig ist, was hätte ich tun sollen.....Fynn....

Leer, ausgebrannt, ich fühle mich auch tot.
Komm ich ihr so näher? Ich darf nicht vergessen, nicht verarbeiten, muß es ganz tief in mir vergraben und nichts und Niemanden daran lassen.
Der Schmerz in mir ist doch das Einzige was mir von ihr bleibt- nie- niemals darf ich gegen ihn angehen. Ich muß es auf mich nehmen, mich davon zerfressen lassen, mit mir passieren lassen, was auch immer dadurch mit mir passiert, Fynn, das ist das Einzige was mir von dir bleibt.

Die Beerdigung, dein klitzekleiner weißer Sarg, ich sehe wie er eingelassen wird, eingelassen in das Grab meines Bruders.
Aber ihr könnt doch nicht mein Kind in ein dunkles Erdloch lassen, nein, ich halte das nicht aus, das geht doch nicht.
Am liebsten hätte ich dich da heraus geholt, mit nach Hause genommen um dir das zu geben was dir zusteht- Liebe und Geborgenheit.
Ich kann's nicht- ich kann's mir nicht mit ansehen!
Wer denkt sich soetwas aus? Sie muß doch bei UNS sein, wir wollen uns doch alle um sie kümmern und für sie sorgen....macht das doch nicht...Tränen...Tränen...Tränen.

weg, weg- wieder weglaufen, ich muß weg hier.
Kleines Mädchen, es tut mir so leid, meine Maus- ich kann doch nichts tun-
es tut mir so unendlich leid, aber ich muß gehen, sonst komme ich dir nach.
Bitte- ich muß nach Hause...

Und dann? 16 Monate, 16 elend lange Monate ist es nun her.
Bisher habe ich es nur 3x geschafft an dein Grab zu kommen, dich da zu besuchen,
ich kann es einfach nicht- bitte verzeih mir.
Immer habe ich dort das Bild im Kopf, daß mein Kind da liegt, eingegraben in einem Erdloch,
da wo es nicht hingehört & am liebsten würde ich dich dort ausgraben und mit mir nehmen-
ich habe einfach nicht die Kraft- bitte verzeih mir... ich bin so schwach.

16 lange Monate und kein Tag von ihnen ist vergangen, ohne das ich diesen unstillbaren Schmerz fühle.
Kein Tag ist vergangen, an dem ich dich nicht so vermisst habe wie am ersten Tag,
an dem ich mir noch immer wünsche, doch nur ein Lächeln von dir sehen zu dürfen, an dem ich mich festhalten könnte.
Aber vergebens, nicht einmal im Traum, in einen dieser unendlichen Träume von dir,
nein nichtmals da hast du mir nur einmal in die Augen gesehen, oder mich einmal angelächelt.
Du fehlst mir, du fehlst mir einfach so & es zerreißt mich noch immer jeden Tag.

Ich kann es mittlerweile verstecken um Niemanden damit zu belasten, um nicht immer Erklärungen abgeben zu müssen, was denn mit mir los sei....
aber Fynn es tut so weh und ich verstehe es noch immer nicht.
Es gibt so vieles, was ich einfach nur fühle & wozu ich nicht in der Lage bin es dir zu sagen,
aber ich denke jeden Tag an dich, wünsche dir jeden Tag im Herzen einen guten Morgen, eine gute Nacht, küsse dich, drücke dich an mich & sehne mich nach dir.

Du hast mich so verändert & ich bin nun nicht mehr in der Lage das wieder hinzu bekommen.
Ich hoffe, daß Thorsten weiterhin das Verständnis und die Geduld dafür hat, weiter mit einer anderen Frau zusammen zu leben, als die, die er kennen gelernt hat & mich weiter liebt.
Ich bin einfach kraftlos geworden & manchmal denke ich, daß ich einfach nur noch funktioniere, das tue, was von mir erwartet wird- mal mehr, mal weniger & mich viel zu oft einfach auch viel zu tot fühle, vielleicht um dir so noch ein kleines Stück näher zu kommen.

Ich warte, warte weiter jeden Tag und höre niemals auf dich um ein Lächeln zu bitten, dich zu bitten mir einmal in die Augen zu sehen, höre niemals auf mich nach dir zu sehnen & dir dankbar zu sein, daß du überhaupt bei mir warst, daß ich dich überhaupt kennen lernen durfte & du meine Tochter bist.
Danke kleine Fynn

In endloser Liebe
Mama