Andrea

 

Ueber mich:
 
Name: Andrea Herrous
Alter: 30 Jahre
Wohnort: Kloten, Schweiz
E-mail:herrous@swissonline.ch
HP: http://www.beepworld.de/members33/familyherrous
 
Meine Geschichte:
 
Ich hatte schon eine Tochter und einen Sohn aus erster Ehe. War über 4 Jahre lang alleinerziehende Mutter. Dann lernte ich meinen Mann kennen.
Wir heirateten am 11.11.2000. Wir wollten ein gemeinsames Kind. Sofort nach der Hochzeit wurde ich schwanger. Die Freude war unbeschreiblich.
Die Schwangerschaft verlief wie im Bilderbuch. Fast ohne Beschwerden. Mir war nicht einmal schlecht. Ich wünschte mir im Herzen versteckt einen
kleinen Jungen, wollte aber vor der Geburt das Geschlecht nicht wissen. Ich wollte mich überraschen lassen.
 
In der 22. SSW bekam ich plötzlich Wehen...
 
Wir fuhren ins Krankenhaus, wo ein offener Rücken und ein Wasserkopf am Baby festgestellt wurde. Ganz brutal wurde mir das mitgeteilt. Vollkommen gefühlslos.
Ich konnte der Diagnose kein Glauben schenken, da ich vor ein paar Tagen bei meinem Frauenarzt war, der auch eine Ultraschalluntersuchung gemacht hat.
 
Also versuchte ich meinen FA zu erreichen. Mit Ach und Krach, übers Krankenhaus gelang es mir. Es war Samstag Abend. Er empfang mich in seiner Praxis um Mitternacht. Er konnte nur alles bestätigen. Dann fragte ich schlussendlich heulend nach dem Geschlecht meines Kindes. Er antwortete: Ein Bub.
 
Es brach eine Welt zusammen. Mein Sohn, Raphael, war todkrank...
 
Am nächsten Tag hatte ich immer-wieder Wehen. Nicht sehr stark, aber sie waren da...
 
Am Montag, den 9. 4. 2001 wurde ich im Basler Frauenspital von einer Ultraschallspezialistin genau mit 3D Ultraschall untersucht. Es waren bei unserem kleinen 4 Wirbelkörper vollständig offen und das Wasser im Kopf drückte das gehirn zurück in die Wirbelsäule. Der kleine hätte wahrscheinlich absolut keine Chance gehabt.
 
Am Mittag hatte ich die Wehen schon alle 3 Minuten. Der äussere Muttermund war schon verstrichen und der MuMu war fingerdurchlässig.
Wir und die Ärzte vermuteten, dass die Natur unserem Baby keine Überlebenschance gab und deswegen es abstosste.
 
Dann passierte etwas, was ich mir bis heute nicht verzeihen kann. Es wurde die Geburt eingeleitet.
 
Ich gebar unseren Sohn an einen verregneten Aprilmorgen... Am Dienstag den 10. April 2001. Er war schon tot, aber wunderschön... 
Wir gaben ihm den Namen Raphael und er wurde von der Hebamme getauft.
 
Die Trauer war nacher sehr schwer. Wir wurden von den Verwandten nicht unterstützt. Ich hielt es kaum aus! Ich wollte soooo gerne über Raphael und über den Schmerz sprechen, konnte und durfte aber nicht. Wir wurden regelrecht ignoriert.
4 Tage nach Raphael`s Tod hat uns meine Schwiegermutter zum Essen eingeladen. Sie wollte uns auf andere Gedanken bringen. Es gab als Beilage Erbsen. Meine Schwiegereltern und mein Schwager machten Sprüche, wie Sterbsli-Erbsli... Es war schrecklich. Und ich musste ständig den Mund halten. Ich hatte Lust zum Schreien, als meine Schwiegermutter mir sagte, dass die Babysachen, die ich in der Schwangerschaft gekauft habe, nicht für Raphael bestimmt waren.
Solche Äusserungen taten so Weh! Und das Taboo tat auch sooo Weh!
 
Heute habe ich mich daran gewöhnt, dass nicht alle Menschen gleich darauf reagieren.
 
Ich schäme mich dafür, dass ich einen medizinisch induzierten Abbruch zugelassen habe, aber andererseits, hätte unser kleiner keine Chance gehabt...
 
Inzwischen bekam im Mai unser Sternenkind im Mai ein Brüderchen. Pascal ist  3 Monate alt. Er ist gesund.
 
Ich kann mir den Verlust unseres Sohnes nicht verzeihen. Wir waren damals in einer Selbsthilfegruppe in Möhlin. Die hat mir sehr geholfen. Als ich mit Pascal schwanger wurde, ertrug ich es nicht mehr psychologisch...
Wir gehen nicht mehr in die Gruppe, aber ich habe immer noch Kontakt zu der Gruppenführerin.
 
Wir haben Raphael`s Urne bei uns Zuhause, schön eingebettet im Kinderbett. Pascal wird leider nicht mit seinem Bruder spielen können. Aber er wird mit der Urne aufwachsen...