Bianca

 

Mein Mann und ich waren knapp 1 1/2 Jahre verheiratet als wir den Wunsch auf ein gemeinsames Kind hatten. Ich weiß noch genau wie groß die Freude war als mein Arzt mir die freudige Botschaft übermittelte und mir das erste Ultraschallfoto gab. Das war in der 5. Woche! Als Geburtstermin war der 12.11.2000 errechnet worden.

Sofort fingen wir an unser kleines Zimmer für unseren Schatz herzurichten. Auf diesem Weg wollten wir dann die werdenden Großeltern davon in Kenntnis setzen. Bereits in der 8. SSW war das Zimmer als Babyzimmer zu erkennen und die Freude bei unseren Eltern war genauso rießig wie bei uns.

In der 9. Woche musste ich wieder zur Kontrolluntersuchung. So ging ich also voller Vorfreude zum Arzt. Doch schon als er mich untersuchte stellte ich fest das irgendetwas nicht stimmte. Auf dem Ultraschall waren keine Bewegungen bzw. Herzaktivitäten mehr zu erkennen und die Untersuchung dauerte auch verhältnismäßig sehr lange. So bestätigte der Arzt was ich schon selbst bemerkt habe. Das Kind hatte keine Herzaktivitäten mehr. Er meinte sicherlich ein Chromosomenfehler!!! Dies beruhigte mich jedoch nicht besonders. Er schrieb mich krank und teilte mir mit, dass ich am nächsten Tag zur Ausschabung ins Krankenhaus muss. Eigentlich noch ganz gefasst ging ich wieder in die Arbeit von der aus ich zum Arzt gegangen bin.

Bei meiner Arbeitskollegin legte ich die Krankmeldung auf den Tisch und brach dann sofort in Tränen aus. Doch gerade meine Kollegin hatte hierfür großes Verständnis und versuchte mich so gut als möglich zu beruhigen. Sie hatte 3 Jahre zuvor das gleiche durchgemacht und ihr Baby verloren.

Ich ging nach Hause und muss sagen, dass ich die folgenden Tage nur noch wage in Erinnerung habe. Ich war nicht ich selbst. Immerwieder ging ich in das Kinderzimmer und weinte bitterlich. Immerwieder musste ich mich fragen WARUM. Warum gerade wir? Ich hab doch gar nichts gemerkt, keine Blutungen oder Schmerzen gehabt. Unser Wunschkind war für uns gestorben. Diesen 13.04.2000 werde ich nie vergessen.

Nach dieser Fehlgeburt begann ich - warum auch immer mit einer Diät. Vielleicht um auf andere Gedanken zu kommen, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall hatte ich in 3 Monaten 10 kg abgenommen und in dieser Zeit nicht einen Gedanken an eine Schwangerschaft verloren. Im August 2000 habe ich meine Periode dann mal wieder nicht pünktlich bekommen, doch das fand ich ganz normal, da ich seit der Ausschabung noch keinen normalen Zyklus hatte.

Mein Mann und ich flogen für 12 Tage nach Tunesien und genossen jeden Tag unserer Zweisamkeit. Doch schon in den ersten Tagen merkte ich das da irgendetwas mit mir nicht stimmte. Ich hatte Übelkeit und ekelte mich vor Dingen die mir sonst nichts ausmachten. Sollte ich doch schwanger sein, nach nur einem Vierteljahr? Wir verdrängten den Gedanken. Doch als der Urlaub vorbei war und die Periode sich noch immer nicht eingestellt hatte ging ich zum Arzt.

Dann die Nachricht: "Herzlichen Glückwunsch sie sind bereits in der 9. Woche schwanger." So richtig freuen konnte ich mich irgendwie noch nicht. Viel zu schnell war die Erinnerung an die erste Schwangerschaft wieder da. Wir warteten mit der Mitteilung an Großeltern und Arbeitskollegen etc. dieses Mal bis nach der 12. SSW und hofften das alles gut gehen würde.

Es ging gut und am 05.04.2001 kam unser Sonnenschein Emily auf die Welt. Also nicht mal ein Jahr nach dem großen Verlust. Die Schwangerschaft verlief ohne irgendwelche Probleme aber trotz allem hatte ich vor jeder Untersuchung panische Angst. Dies hielt eigentlich bis zum Tag der Entbindung an.

Jetzt bin ich wieder schwanger und unsere Emily wird Ende November ein Geschwisterchen bekommen. Ich muss sagen das ich dieses Mal etwas beruhigter an die Schwangerschaft ging denn auch wenn immer die Gefahr besteht, dass etwas passieren kann habe ich mir immer vor Augen gehalten - wir haben ja bereits ein gesundes Kind.

Zum heutigen Tag muss ich sagen, dass ich nach dem Motto lebe: "Was so sein soll, dass soll so sein und kann man nicht ändern, man muss nur versuchen damit zu lernen."

Zwar leichter gesagt als getan aber mit meiner Geschichte möchte ich all den Müttern Mut machen die versuchen sich aufzugeben. Es kann immer wieder klappen - ich drücke jeder die Daumen und wünsche jeder schwangeren Frau dass sie nach 40 Wochen ein gesundes Baby in den Armen halten kann.

In Erinnerung an unser Wunschkind - ET 12.11.2000 - geb./verst. 13.04.2000 nach Abbort

Bianca