Christian

 

 

Die Geschichte von Silvan

 

Liebe Betroffenen

Ich bin froh, dass ich diese Seiten gefunden habe, denn eine Totgeburt ist ein Tabu Thema dass einem so trifft und so leer macht, dass es gut tut mit Leuten, die das gleiche Schicksal erlebten, Erfahrungen auszutauschen.

 

Die Geschichte von Silvan

 

Wir haben im Mai 2001 geheiratet, denn der Wunsch nach Familie und Kinder wurde immer grösser. Als meine Frau anfangs Oktober beim Frauenarzt war und sich die Schwangerschaft bestätigte schien das Glück unfassbar.

Es folgten Wochen mit den üblichen Schwangerschaftsbeschwerden. Bei der zweiten Kontrolle beim Frauenarzt ging ich auch mit. Es war eindrücklich was man auf dem Ultraschallbild schon alles sah und auch das Herz hörte man laut und deutlich.

Unser Urlaub im Januar in Kenia annullierten wir noch so gerne, stattdessen machten wir eine Woche Wellnesstsferien im Engadin.

Der Bauch wurde grösser und das Kind konnten wir schon deutlich spüren, vor allem wenn es das "Gluxi" hatte. Wir begannen das Kinderzimmer einzurichten, und bekamen von Verwandten und Bekannten viele, viele Sachen. Der Geburtstermin kam immer näher. 4. Juni war der Tag auf den wir hinfieberten. Bei allen weiteren Untersuchungen war alles immer in Ordnung und Frau und Kind ging es immer gut. Der Arzt fragte uns , ob wir wissen wollen ob es einen Bub oder ein Mädchen gibt, wir wollten uns diese Überraschung bis zur Geburt aufsparen.

 

In der 35. SWW hatte meine Frau vorzeitige Wehen, wir gingen in das Spital. Nach ein par Tagen Ruhe und von nun an 100% Arbeitsunfähigkeit gingen wir wieder Heim. Nun galt es die 38. Woche abzuwarten, denn ab dann ist es keine Frühgeburt mehr. Am 4. Juni unseren Termin war meine Frau wieder zur Routineuntersuchung am CTG, alles normal Frau und Kind ging es gut, nächste Kontrolle Monatag 10.Juni.

 

Am Sonntag 9. Juni gegen Abend sagte meine Frau, sie habe das Kind heute noch nicht gespürt. Wir beruhigten uns gegenseitig und beschlossen, dass wir am Montag gemeinsam zur Untersuchung gingen.

Mit einer leichten Vorahnung gingen wir ins Spital. Die Hebamme die das CTG bediente suchte die Herztöne, nichts sie suchte weiter und wurde immer nervöser. Die zweite Hebamme war da, es brach Hektik aus. Eine Assistenzärztin kam mit dem Ultraschall auch sie wirkte unbeholfen, bis dann der Frauenarzt mit den Worten: "Es sieht nicht gut aus, das Kind ist gestorben" unser Schicksal besiegelte.

Was da einem durch den Kopf geht kann man nicht in Worte fassen. Wir wurden in ein Zweierzimmer verlegt. Ich muss sagen wir wurden von Anfang an sehr, sehr Gut betreut.

Wir wurden informiert was nun passieren wird. Meine Frau musste das Kind ganz normal gebären und es wurden die Wehen  eingeleitet.

Es folgte die schlimmste Zeit die ich je durchgemacht hatte. Wir wahren im Zimmer und fragten immer wieder: "WARUM". Die Hebammen kamen immer wieder ins Zimmer und sprachen uns Mut zu. Es folgte eine Nacht ohne Schlaf, aber meine Frau musste fit sein, den sie musste unser Kind ja noch gebären.

 

 

 

 

Wir konnten nicht anders und informierten unsere nächsten Verwandten. Am Dienstag 11.Juni um 15.00 Uhr setzten die Wehen ein. Es war genau so wie wir im Geburtsvorbereitungs- Kurs gesehen haben, mit Massagen unterstützte ich meine Frau. Sie ging in die Badwanne und die Wehen kamen immer heftiger. Eine Hebamme war nur für uns da. Im Gebärsaal wurde dann um die Schmerzen zu lindern eine PDA gemacht. Meine Frau war sehr tapfer und musste nun heftig pressen. Um ca. 21.00 Uhr kam der Frauenarzt, von nun an ging es schnell. Um 21.34 Uhr war unsre Silvan geboren.

Es war ganz ruhig im Gebärsaal, ich war stolz auf meine Frau. Ich wusste vorher nicht wie ich  den Anblick auf meinen toten Sohn ertragen werde. Ich war überraschend ruhig und ich hatte keine Angst in anzusehen. Es war ein ganz schöner Bub 51cm und 3090g.

Die Hebamme gab Silvan in die Arme meiner Frau und der Arzt machte Fotos, dann gingen sie hinaus und liessen uns mit unserem Sohn allein.

Meine Frau hat die Geburt als "eindrückliche Erlebnisse" empfunden, sie hat sich auch gut erholt, ging schon bald duschen.

Als wir wieder im Zimmer wahren kam die Hebamme mit Silvan um ihn mit den Sachen, die wir parat gemacht haben, anzuziehen.

Der Arzt stellte noch mit grösster Wahrscheinlichkeit die Todesursache fest: Die Nabelschnur war an der Plazenta nicht am normalen Ort angemacht, sondern seitlich, dadurch war das Verletzungsrisiko höher. Eben an dieser Stelle wurde eine Verletzung festgestellt die eine Thrombose bildete. Es war ein Unfall. Silvan hatte keine Chance

 

Am Mittwoch kamen dann die Eltern und Gotte und Götti in das Spital. Wir stellten ihnen frei ob sie Silvan sehen wollten. Die Hebamme kam mit Silvan herein und so konnten sie Abschied nehmen.

Am Donnerstag kamen die Leute vom Bestattungsinstitut mit dem keinen weissen Sarg. Wir durften unseren kleinen Silvan noch Geschenke in den Sarg legen und wir wahren wieder ganz alleine mit ihm und konnten uns von ihm verabschieden.

 

Am Montag 17. Juni fand im engen Familienkreis die Urnenbeisetzung satt.

 

Wir wurden vom ganzen Hebammen-Team sehr gut betreut, ich bin froh, dass ich die ganze Zeit bei meiner Frau sein durfte. Nun kommt die schwere Zeit, denn für mich beginnt bald wieder der Arbeitsalltag und für meine Frau die unbegreifliche leere ohne Aufgabe da zu sein.

Eines ist sicher, unsere Beziehung wird durch diesen Schicksalsschlag gestärkt und wir nehmen nichts mehr als selbstverständlich an. Wir haben uns nichts verbaut und ich blicke trotz allem optimistisch in die Zukunft. Ich bin nicht wütend oder zornig und suche auch nicht nach schuldigen, ich bin nur traurig und leer.

Wir haben jetzt ein "Engelskind" SILVAN.

 

Viele liebe Grüsse

 

Christian und Manuela