Christine Bolliger

Ende 2000 haben wir aufgehört zu verhüten. Im Januar hatte ich dann so
komische Schmerzen, ein Ziehen im Bauch. Ich dachte, vielleicht bin ich
schwanger. Der Test war aber negativ. Meine Periode kam eine Woche zu spät.
Ich dachte mir nichts dabei. Heute vermute ich, dass ich eine Fehlgeburt im
ganz frühen Stadium hatte. Im Februar begann das Ziehen wieder von neuem.
Auch meine Periode blieb aus. Der Test war wieder negativ. Da ich fast
sicher war, dass ich schwanger war, habe ich noch einen Test beim Arzt
machen lassen - Ergebnis positiv. Toll, ich war schwanger mit unserem
Wunschkind. Meinem Mann kaufte ich einen Schnuller, verpackte ihn mit einem
Zettel auf dem stand: "Meine Mama und ich sind gegen 24.00 Uhr zu Hause".
Auch er freute sich riesig. Sofort habe ich Weizenkeime mit Folsäure,
Fruchtsäfte, Vitamine usw. zu mir genommen. Keinen Alkohol mehr. Viel
schlafen. Einfach gesund leben. Wir konnten kaum warten, es unserer Familie
zu erzählen. Aber ich wollte es erst im 4. Monat sagen, denn ich wusste von
dem Risiko einer Fehlgeburt (habe aber nicht wirklich daran gedacht).
In der 7./8. Woche bekam ich ganz leichte Schmierblutungen. Ich hatte auch
leichte Schmerzen. Am nächsten Tag ging ich sofort zum Arzt. Nach
gründlicher Untersuchung, die mir sehr schlimm vorkam, bestätigte er mir den
Beginn einer Fehlgeburt. Da er die Frucht nicht sehen konnte, wollte er
abklären, dass sicher keine Eileiterschwangerschaft vorliegt. Ich musste
also mein Blut untersuchen lassen, dann zwei Tage warten und das Blut noch
einmal untersuchen lassen. So kann festgestellt werden, ob die Werte noch
steigen. Es ging mir psychisch sehr schlecht. Zum Glück hat mich der Arzt
krank geschrieben. Die lange Wartezeit war schlimm. Ich hatte Angst. Nach
vier langen Tagen bekam ich einen Anruf aus der Praxis. Ich sollte sofort
ins Krankenhaus. Die Werte seien leicht gestiegen. Dort werde man mich noch
einmal untersuchen und wenn nötig gleich operieren. Ich war mit den Nerven
am Ende. Meinen Mann wollte ich nicht von der Arbeit holen (hätte zu lange
gedauert) und meine Mutter war nicht erreichbar. Also fuhr ich ganz allein
ins Krankenhaus. Dort wollte mich eine Krankenschwester schon in ein Zimmer
bringen, bis ich fragte ob man mich nicht zuerst untersucht. Ein Gynäkologe
hat mich noch einmal gründlich untersucht und konnte eine
Eileiterschwangerschaft zum Glück ausschliessen. Da er die Fruchtblase jetzt
sehen konnte, wollte er eine Ausschabung vornehmen. Ich war einem
Nervenzusammenbruch nahe, hätte einen Eingriff nicht verkraftet. Auf eigenes
Risiko liess mich der Arzt dann nach Hause. Ich bekam Tropfen, damit sich
meine Gebärmutter wieder zusammenzieht. Zu Hause war ich erleichtert aber
total fertig. Plötzlich bekam ich Schmerzen, welche der Beschreibung nach
wie Wehen waren. Es war kaum auszuhalten. Ich hatte schon Angst, doch noch
ins Krankenhaus zu müssen. Nach ca. 2 Stunden verlor ich dann meinen
"kleinen Stern" auf der Toilette. Danach ging es mir körperlich gut. Nur die
Tropfen verschafften mir am Abend schlimme Bauchkrämpfe.
Das ganze ist jetzt 3 Wochen her. Doch trauern kann ich erst jetzt richtig.
Ich lese viel über Fehlgeburten und schöpfe wieder neue Hoffnung. Ein
grosses Problem habe ich jetzt aber: Ich stopfe mich voll mit Süssigkeiten,
werde immer dicker und es geht mir schlecht dabei. Ich hoffe, dass ich das
auch noch in den Griff bekomme.

Christine