Daniela

 

 


Lieber Samuel
Es ist erst zwei Wochen her, seit deiner Geburt, am 21.11.03 und dass wir dich wieder in Gottes Hände geben mussten...
Alles begann im Sommer 2002, als ich das erste Mal schwanger war.
Ganz überrascht und doch voller Freude.
Der Geburtstermin war auf meinen Geburtstag festgelegt! Was für eine Freude,
mein 30. Geburtstag und gleichzeitig ein so wunderschönes Geschenk!
Aber es kam anders. Zwei Tage nach unserer zivilen Trauung musst ich ins Spital. Ich musste unseren ersten Stern in der 8. Schwangerschaftswoche hergeben,
er war nicht richtig gewachsen...

Kurz darauf wurde ich wieder schwanger.
Aber auch bei dieser Schwangerschaft hatte ich Blutungen.
Man merkte bald, dass etwas nicht stimmte. Ich musste ein zweites Mal ins Spital.
Unseren zweiten Stern gab ich in der 9. Schwangerschaftswoche, Eileiterschwangerschaft...

So, nun hatte uns das Schicksal bestimmt genug getroffen.

Als ich im  Sommer 2003 wieder schwanger war, begleitete mich immer die Angst und Sorge um dich. Meine Schwägerin und meine Cousine waren auch schwanger, und unsere Geburtstermine lagen nahe beieinander. Wie schön...!
Nachdem die ersten 12 Wochen vorbei waren, erzählten wir Freunden und Bekannten von unserem Glück und ich informierte auch meinen Arbeitgeber. Alles schien perfekt.
Dein Papi kam mit zum Ultraschall und durfte dich in der 15. Woche zum ersten Mal sehen. Du warst nicht gerade bewegungsfreudig, aber das machte uns keine Sorgen. Die FÄ meinte nur, dass du etwas zu klein wärst und verschob den Geburtstermin um 10 Tage. Was solls, ich bin ja auch nicht die grösste...
Ich machte alles, damit es uns gut ging, schonte mich und wollte doch nicht nur auf der "faulen Haut" liegen. Also machte ich wieder etwas mehr Fitness.
In der 18. Woche hatte ich ein "Ziehen" im Bauch und meldete mich vorsorglich bei der FÄ an. Ich konnte auch schon am nächsten Tag zur Kontrolle.
Als ich dich im Ultraschall sah, wie du herumgeturnt bist, war ich erleichtert!
Meine FÄ sah ein ganz anderes Kind... Sie sagte nur, wie aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung: Es hat Klumpfüsse... und das Gesicht gefällt mir nicht... und das Herz ist zu klein...
Ich weiss noch, dass ich mich gekniffen habe. Das konnte doch nur ein Traum sein!
Nein!!! Es war Realität! Ich lag da und die FÄ redete weiter, als wäre ich gar nicht da. Sie schaute auf den Monitor und zählte auf, was sie zu sehen glaubte... Ich glaube, sie merkte gar nicht, dass das UNSER Kind war, über das sie sprach, UNSERE Hoffnung...

Nachdem ich mich wieder angezogen hatte, meinte die FÄ nur, sie müsse mir das alles ja sagen...
Das war schon richtig, nur WIE!
Meine FÄ sagte noch, dass sie mich ins Spital anmelde für einen genaueren Untersuch und eine Fruchtwasserunteruchung. Und dann verabschiedete sie sich, weil das Telefon klingelte...
Ich hatte mich noch nie so alleine gefühlt...
Tränenüberströmt fuhr ich nach Hause. Alles schien so sinnlos, so leer, alle Hoffnung war weg. Einfach sterben, das wäre doch das einfachste...
Dein Papi war auch sehr traurig und verzweifelt. Immer wieder fragten wir uns WARUM, WARUM, WARUM?!
Es waren ganz schlimme Tage der Ungewissheit, bis ich endlich ins Spital konnte. Immer wieder holte uns die Verzweiflung und dann aber auch wieder die Hoffnung ein. Vielleicht war es ja gar nicht so schlimm. Wir wollten dich so oder so. Wir würden dich mit allem lieben, du bist unser Kind!

Aber der Untersuch im Spital war noch eindeutiger. Du hattest keine Überlenbenschancen. Keine Chance...
Die Ärzte waren- im Gegensatz zu meiner FÄ- sehr einfühlsam. Sie nahmen sich Zeit und beantworteten all unsere Fragen.
Wir verbrachten die darauffolgende Woche mit Gesprächen. Mein Onkel, der auch unser Hausarzt ist, nahm sich Zeit, unser Pfarrer war für uns da, und nicht zu vergessen meine Familie, ohne die diese Zeit unerträglich gewesen wäre! Es waren so viele liebe Menschen da, die uns begleiteten.  Danke allen, die für uns da waren!!!
Und so musste ich vor zwei Wochen ins Spital.
Die Geburt wurde in der 20. Schwangerschaftswoche eingeleitet.
Es war ein schreckliches Gefühl! Wir hätten dich mit allen Behinderungen genommen und geliebt. Aber es gab KEINE CHANCE für dich...
Es dauerte sehr lange, bis ich dich losliess. Die ganze Zeit war dein Papi an meiner Seite. Er war so liebevoll und fürsorglich! Auch die Hebammen, die uns begleiteten, waren richtige Engel!
Als du dann geboren wurdest, wollte ich dich ganz schnell in meine Arme nehmen. Die grosse Trauer war auf einmal weg, als ich dich sah. Du lagst so friedlich da und warst so perfekt! Ich spürte nur noch Frieden, Liebe und Geborgenheit. Du warst so klein und sahst gar nicht "schlimm" aus. Deine Füsse waren etwas verdreht und deine obere Lippe gespalten, aber trotzdem warst du perfekt!
MAN MUSS NICHT PERFEKT SEIN, UM PERFEKT ZU SEIN!

Weisst du, was dein Papi nach der Geburt sagte: DANKE FÜR UNSEREN SOHN!

Dein Papi und ich hielten dich noch lange in unseren Armen. Redeten, weinten und beteten für dich, unseren kleinen Sohn, Samuel. Auch dein Grossmueti hat dich noch in den Armen gehalten, was mir sehr viel bedeutet!
Zwei Wochen ist es her... Vor einer Woche war die Beerdigung...
Noch viele Tränen werden dir gehören, lieber Samuel.
Noch oft werden wir uns fragen WARUM?!
Wir lassen dich nicht gerne los, obwohl wir wissen, dass du immer als kleiner Engel, als unser heller Stern bei uns sein wirst.
 
BIS ZUM MOND UND WIEDER ZURÜCK, SO SEHR VERMISSEN WIR DICH!
BIS ZUM MOND UND WIEDER ZURÜCK, SO SEHR LIEBEN WIR DICH UND UNSERE ANDEREN BEIDEN STERNENKINDER!

Dein Mami und dein Papi