Katrin

Hallo ihr Mamis und Papis und Geschwisterchen....

 

Hier möchte ich Euch von unserem Wunschbaby Marie erzählen.

Es war im Juli 1999 als mein Mann und ich  uns endgültig füreinander entschieden. Wir heirateten und unser Glück sollte mit einem Baby perfekt werden. So setzte ich 2 Wochen vor der Hochzeit die Pille ab. Es dauerte dann auch nur bis Mitte September. Da konnte ich meinem Mann von der Schwangerschaft erzählen. Wir waren so unendlich glücklich, dass es so schnell geklappt hat. Bestätigt wurde die SS in der 6. SSW durch meinen FA. Doch da war ich schon etwas enttäuscht von dem FA, weil ich erst auf mein Bitten hin ein Ultraschallbild bekam. Er gab mir dann eines. (War zwar noch nichts außer einem schwarzen Punkt zu sehen, aber ich wollte sie alle haben...) Eine Woche später sollte ich wiederkommen und meinen Mutterpass und die Blutergebnisse (Routine) abholen. Da war ich wieder enttäuscht, ich bekam kein Ultraschall gemacht... erst in der 11. SSW wieder.  In der 15. SSW bekam ich wieder kein Ultraschall... es wurden die Herztöne gehört und eine vaginale Untersuchung gemacht... ich war so enttäuscht, dass ich unseren Wurm nicht sehen konnte. Allerdings sind ja  nur 3 Schalls während der SS vorgesehen, und so konnte ich mich ja nicht wehren. Bei der Untersuchung in der 15 SSW wurde leicht erhöhter Blutdruck festgestellt (150/90) ich sollte mal drauf achten. Zu Hause habe ich von meinem Schwiegervater das Messgerät ausgeliehen und fleißig gemessen. Zu Hause war aber alles OK. War wohl nur die Aufregung, dachte ich.

Irgendwann brauchte mein Schwiegervater das Messgerät zurück und ich gab es ihm, was vielleicht der Fehler war....

Mittlerweile war meine Beste Freundin auch schwanger und wir freuten uns gemeinsam aufs Windelnwechseln, Breikochen und Kinderpartys...

In der 20. SSW wechselte ich dann den Arzt, weil es mir einfach nicht reichte. Ich wollte alles von meinem Baby mitbekommen. Und der neue Arzt machte immer Ultraschall und nahm es sogar auf Video auf. So war unser Baby noch nicht auf der Welt und schon im Fernsehn :-)

Leider war es zu der Zeit schon so groß, dass man es nicht mehr ganz auf dem Bild sehen konnte. Aber das Herz schlug, die Arme und Beine sah man gut und den Kopf und überhaupt, wir waren so glücklich....

Das Video existiert noch, wird auch niemals vernichtet werden. Es trägt den Titel:

Marie, eine lebende Erinnerung

Klingt wie ein Kitschroman, aber ich bin froh, dass ich dieses Video habe.

Und so ging es weiter mit meiner SS. Es war eine Bilderbuchschwangerschaft. Mir war niemals schlecht, im Gegensatz zu meiner Freundin. Mein Gewicht nahm ganz normal zu. Mir ging es blendend.

Mein Mann meinte manchmal ich sehe schlimm aus, irgendwie aufgeschwemmt und verpickelt...

Aber Wasser ist ja in einer SS normal und angeblich nehmen "Mädchen" der Mutter die Schönheit. (Ab der 20. SSW wussten wir, dass es ein Mädel wird.)

Ich habe alles auf die Hormone geschoben und der Doc sagte auch, es sei alles normal.

Es ging mir sogar so gut, dass ich mich mit meinem 26. SSW-Bauch in die Fahrschule setzte und zwischen 18jährigen meine Theoriestunden für den Motorradführerschein machte. Die Praxis wollte ich nach der Geburt in Angriff nehmen.

In der 32. SSW bekam ich dann Magnesium verschrieben, weil ich nachts ab und zu Wadenkrämpfe bekam. Zu der Zeit war mein Muttermund wohl schon weich, aber der Doc bestätigte mir, dass alles OK sei. Unser Mädchen hangelte sich immer an der unteren Wachstumsgrenze entlang, aber mein Mann und ich sind auch nicht die Größten und solange sie in der Normkurve war, war ja alles in Ordnung.

Meine Knöchel waren geschwollen und ich hatte Eiweiß im Urin. Doch dem Baby ging es gut und mein Blutdruck war beim Arzt immer 140/80.

Dazu muss ich jetzt sagen, dass die drei Faktoren : Wasseransammlung, Eiweiß und hoher Blutdruck ein Anzeichen für eine Gestose sein können, d.h. die Plazenta "verkalkt" und das Baby wird nicht richtig versorgt. Aber das wusste ich alles erst, als es zu spät war. Wer kennt schon das Wort "Gestose"... und mein Blutdruck war ja immer OK. (Hätte ich meinem Schwiegervater das Messgerät nicht zurückgegeben, wäre vielleicht alles anders gekommen) Ich habe zu Hause nie gemessen. Deswegen hat der Arzt auch nicht von Gestose gesprochen...

In der 35. SSW sind wir zusammen mit meiner schwangeren Freundin und ihrem Mann noch nach Holland in den Centerpark gefahren... mir ging es ja gut (dachte ich).

Danach kam Sodbrennen hinzu. Jetzt fing es irgendwie an ungemütlich zu werden.

Mittlerweile hat eine andere Freundin von mir entbunden (5 Wochen zu früh). Ich habe sie besucht... so einen kleinen Wurm hast Du auch in Dir drin, habe ich mir noch gedacht...

hätte ich da gewußt, dass eine Woche später alles aus sei......

Sonntag, 26.03.00 : Ich hatte ein ziemliches Ziehen im Bauch, habe mir aber nix dabei gedacht. Es werden wohl die Senkwehen gewesen sein... Schließlich sind es noch 4 Wochen und dann kann das ja vorkommen... wären wir doch da gefahren.

Seit der 34. SSW hat mein Doc zusätzlich Doppleruntersuchungen gemacht, um die Versorgung des Babys festzustellen. Es war immer OK.

Mittwoch, 29.03.00 : Auf dem CTG waren leichte Wehen, der Doppler war aber in Ordnung, nur unser Mädel war seit der letzten Untersuchung nicht genug gewachsen... mein Blutdruck war immer noch in Ordnung.

Ich sollte am Montag wiederkommen...

Freitag, 30.03.00: Ich hatte sehr starke Kopfschmerzen (Anzeichen für hohen Blutdruck), aber ich kam nicht auf die Idee den Blutdruck zu messen. Und ich hatte irgendwie Bauchweh... aber Montag hatte ich ja sowieso Termin....

Den Samstag ging es mir wieder gut, meine Mutter und ich kauften einen Kinderwagen.

Sonntag, 02.04.00: Zu Mittag bei meinen Schwiegereltern. Mein Mann war auf dem Sportplatz in einem anderen Ort. Mir war schlecht... ich dachte aber an Magenprobleme, weil ich nichts essen wollte und so. Außerdem hatte ich ja Montag Termin. Mein Schwiegervater hatte mir zwar angeboten mich ins KH zu bringen, aber ohne meinen Mann wollte ich nicht.

Hätte, Wäre, Wenn... Im Nachhinein hätte ich unsere Marie vielleicht retten können, wenn ich nicht so stur gewesen wäre und einfach früher ins KH gefahren wäre...

Montag, 03.04.00: Ich hatte erst um 15.45 Uhr Termin. Den Morgen habe ich auf der Couch verbracht. Mir ging es zwar ganz gut, aber ich war so antriebslos. Dann sind wir zum Doc.

Normalerweise wurde mir immer zuerst Blutdruck gemessen, aber weil das CTG gerade frei war bin ich erst dahin gekommen. Man musste lange suchen um die Herztöne zu finden.... Dann waren sie aber immer wieder weg (Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es mein Herz war) Dann hatte der Doc erst mal Ultraschall gemacht, danach wollten sie es noch mal mit dem CTG versuchen....aber soweit kam es nicht. Der FA schallte einmal schnell über meinen Bauch und sagte dann ziemlich ruhig, dass er mich bittet sofort ins KH zu fahren.

Ich hatte gar nicht so schnell auf das Ultraschallbild sehen können...

Ich dachte es sei alles in Ordnung, und mein Baby müsste vielleicht nur früher geholt werden... aber es war nichts in Ordnung. Er wollte uns nur noch nichts sagen, damit wir nicht überstürzt handeln... außerdem wollte ich in eine andere Klinik, wo uns der Krankenwagen nicht hingebracht hätte.

So fuhren mein Mann und ich ins KH (Zuerst holte ich noch die Tasche, weil ich ja nicht wusste, ob ich bleiben musste) Die Babysachen nahm ich raus.... ich habe mir gedacht, dass mein Mann sie ja doch erst mitbringen kann, wenn wir sie am Entlassungstag brauchen....

Im KH angekommen kam ich ans CTG und nach langem Suchen fand man auch Herztöne. Dann wollte man mir Blutdruckmessen. Mit einer normalen Manschette ging das nicht... Manschette kaputt??? Mit der anderen ging es auch nicht.... dann wurde eine elektrische geholt....

mein Blutdruck ca 300/150....mein Puls rasend (deswegen wurden die Herztöne verwechselt, weil die Kindlichen ja schneller sind...)

Ich kam zum Ultraschall. Ein Assistenzarzt schallte, und schallte und guckte und schallte... es kam mir ewig vor. Mein Mann fragte dann, ob irgendwas nicht stimmte...."Ich muss mal den Oberarzt hinzuziehen" bekam er zur Antwort.

Der Oberarzt schallte auch noch mal....ewig.... dann sagte er, es täte ihm leid, aber das Herz des Babys würde nicht mehr schlagen.....

Stille

Mein Mann drückte mein Hand so fest, ich dachte, er bricht sie mir

Keine Tränen

Dann die zweite Nachricht: Ich muss einen Kaiserschnitt bekommen, weil auf Grund des Blutdruckes eine normale Geburt für mich lebensgefährlich werden könnte...

Ich willigte ein und schon ging es los.... Bis dahin war ich noch sehr ruhig. Ich weiß nicht, warum, vielleicht wollte ich es noch nicht so recht wahrhaben...

Mein Mann erzählte mir später, dass er eine Tüte mit meinen Sachen bekam.... und die Schuhe... nach dem Motto: "Der Rest ihrer Frau" Es war für ihn ganz schrecklich. Er war sich bewusst, dass er nicht nur sein Wunschbaby verloren hatte, sondern dass auch ich auf der Kippe stand.

Es war 18.43 Uhr als unsere Tochter mit 43 cm und 1860 gramm geholt wurde.

Als ich erwachte lag ich auf der Wachstation. Alles war verschwommen. Ich habe kaum was erkannt, konnte mich nicht bewegen, wie gelähmt...

Wegen dem Blutdruck haben die mir bestimmt irgendwelche Medikamente gegeben... und vielleicht auch noch was gegen den seelischen Schmerz, ich weiß es nicht. Aber es war schrecklich. Hier ein Tropf, da eine Blutdruckmanschette... ein zu kleines Bett, Schmerzen, Hunger.... 

Das war die schlimmste Zeit meines Lebens... Ich hatte überhaupt keine Kontrolle über mich. Mein Mann war ständig bei mir. Irgendwann kamen auch die Familien, aber ich habe nicht alles mitbekommen. Dann kam noch etwas Schlimmes.... ich hatte Milch... Milch für ein Baby was sie nicht trinken konnte... es war schrecklich. Sie hatten mir mein Baby aus dem Bauch geschnitten... ich hatte eine Narbe am Bauch, die mich immer daran erinnerte.....mir schwirrten allerlei Gedanken im Kopf rum, aber ich habe noch nicht geweint...

Mein Mann fragte mich, ob wir sie untersuchen lassen sollten und wie es mit ihr weitergeht.

Ich willigte der Untersuchung ein. Schließlich wollte ich wissen, warum unser Baby nicht leben durfte und ob irgendetwas Genetisches vorlag worauf wir bei einer nächsten SS achten mussten...  Eine Beerdigung stand für mich auch fest. Wir wollten sie  bei der Großmutter (verstarb genau eine halbes Jahr zuvor) meines Mannes mit ins Grab legen. Das wurde auch ohne Probleme gestattet.

Die Obduktion ergab keine Auffälligkeiten bei Marie.... sie war gesund. Meine Plazenta war verkalkt und somit wurde die Versorgung immer schlechter... Marie ist verhungert und ich konnte nicht helfen... bzw. ich habe zu lange gewartet. Der Arzt sagte uns klar, dass ich ein paar Tage früher noch ein Baby gehabt hätte..... Ich muss wohl eine Art der Gestose gehabt haben, wo es ganz schnell geht, bzw. immer wenn gedopplert wurde, war alles in Ordnung, aber die Kindesversorgung ist schubhaft gewesen und immer wenn alles gut war, wurde zufälligerweise gedopplert... es war alles "dumm gelaufen". Aber ich tröste mich, dass die bei der Obduktion nicht feststellen konnten, ob sie dann noch genug Sauerstoff gehabt hätte. Vielleicht wäre sie zwar am leben aber schwerst geistig behindert....Soll nicht heißen, dass ich sie dann nicht geliebt hätte. Auch wenn sie drei Beine und fünf Arme gehabt hätte... ich liebe sie immer. Aber Gott muss einen Grund dafür gehabt haben, dass er unsere Kleine zu sich nahm...

Ich habe aber nie damit gerechnet, dass man ein Baby in der 37. SSW verlieren kann. In den ersten Monaten ja, aber doch nicht so spät.

An dem Mittwoch morgen wurde ich auf die Gyn-Station verlegt. Auf ein Zweierzimmer mit einer sehr netten Frau. Gut dass diese Frau da lag... ich habe ihr sehr viel zu verdanken. Sie hat mich wieder zu "leben" erweckt. Ich akzeptierte Maries Fortgehen sehr schnell... Was bringt es zu Trauern? Davon wäre sie nicht wiedergekommen. Diese Frau hat mir viel geholfen. Wir haben viel geredet, zusammen Radio gehört, oder Fern gesehen... Wir haben jetzt noch Kontakt. Danke Frau Pieck.

An dem Mittwoch Nachmittag konnte ich Marie sehen. Sie lag da, als würde sie schlafen. Nur war sie kalt. Ich traute mich nicht sie hochzunehmen... jetzt bereue ich es. Eine Hebamme machte einige Polaroid und nahm einen Hand und Fußabdruck... sie war so klein und wunderschön.

Schweren Herzens verabschiedeten wir uns.

Ich lag dann noch fast zwei Wochen im KH wegen meinem Blutdruck.

Einen Tag habe ich mich mal bei meinem Mann ausgeheult, aber die richtige Trauer kam erst zu Hause.

Freitag 14.04.00: Ab 11 Uhr konnte ich das KH verlassen.... mein Mann war inzwischen wieder auf der Arbeit und so holte mich mein Schwiegervater ab. Ich hätte auf meinen Mann warten sollen....

Ich kam gegen 12 Uhr nach Hause. Mein Schwiegervater wollte mich in die Wohnung begleiten, ich lehnte ab... Als ich die Treppe hochkam überkamen mich die Tränen.... Da stand der Kinderwagen, wir haben ihn erst am 01.04. gekauft.... Mein Mann hat es nicht geschafft, ihn weg zu räumen... dann ging ich in die Wohnung... ins Kinderzimmer...

dann kamen die Tränen.

Ich habe eine Stunde vor dem Kinderbett gehockt, ein Stofftier geknetet und nur noch geheult

und immer wieder die Frage: Warum??????

Gegen 13 Uhr kam mein Mann endlich... es war alles so schrecklich leer.

An dem Samstag sollte die Beerdigung sein. Diese war für 14 Uhr angesetzt. Eigentlich war ich ganz ruhig... ich musste Marie gehen lassen... ich war froh, dass wir sie bei Großmama ins Grab legen durften... die hat sich bestimmt gefreut über ihr Urenkelchen. Und Marie spielt bestimmt mit dem Patenkind meines Mannes, der mit 8 Jahren verstarb...

Die Trauerfeier verlief ganz gut, aber ich war irgendwie wie gelähmt... und der Pfarrer stand ab und zu zwischen mir und dem Sarg... in mir nur ein Schrei.... geh da weg ich will mein Baby sehen.... aber ich riss mich zusammen und weinte die ganze Zeit leise vor mich hin... Mein Mann hielt die ganze Zeit meine hand.... Am Grab war ich wie in Trance... ich wollte alleine sein, aber die ganze Familie stand da rum... von allen Seiten diese Bemitleidung.... sie ist das erste Enkelchen auf beiden Seiten... es war schrecklich, für alle...

Anschließend beim Kaffeetrinken ging es wieder ganz gut...

Wir gehen gerne und oft zu unserer Marie... wir reden mir ihr und bringen ihr Geschenke und Blumen... Sie lebt in uns weiter...

Eigentlich habe ich Ihren Tod ganz gut verkraftet... Gott hatte seinen Grund, auch wenn wir ihn nicht kennen und niemals erfahren. Zudem kam noch, dass zu der Zeit einige meiner Bekannten schwanger oder gerade Mama waren... ich konnte mich also nicht verstecken, oder allen Babys aus dem Weg gehen. Ich wollte es auch nicht. Montags ist das mit Marie passiert und in der Nacht zu Dienstag bekam eine Freundin in dem gleichen KH ihr Baby, auch ein Mädchen... an dem Donnerstag sind mein Mann und ich zu ihr gegangen und haben uns die Kleine angesehen... Einerseits war es ganz schrecklich, andererseits musste ich es irgendwie tun... Vielleicht kann man das Schocktherapie nennen. Ich habe auch noch im KH gefragt, wann ich wieder schwanger werden könne... ich wollte wieder auf das Pferd, von dem ich gestürzt war. Ich wollte nicht aufgeben, nur weil es schief gelaufen ist. Ich habe gebetet und gehofft, dass Gott uns so was einfach nicht noch mal antun kann...

Einige Zeit musste ich noch Medikamente gegen den Blutdruck nehmen und ich sollte sowieso ca. 3 Monate warten, damit die Kaiserschnittnarbe richtig verheilt war. Danach haben wir nicht mehr verhütet...

und im Oktober, ziemlich genau ein halbes Jahr später, konnte ich meinem Mann den positiven SS-Test zeigen.... Gefühlschaos, Freude, Tränen, Angst....

Mittlerweile war mein FA nicht mehr da, so dass ich wieder wechseln musste. Jetzt habe ich eine Ärztin, selbst im Juni 00 erst Mutter geworden, und total einfühlsam.

Sie sagte mir, dass sie mich gegen Ende der SS zusätzlich zu Doppleruntersuchungen ins KH schicken wollte, weil vier Augen mehr sehen, als zwei. Fand ich gut von ihr, dass sie von sich aus auch andere Meinungen zulässt.

Ich selbst habe sehr viel gelesen und im Internet gestöbert... ich wollte über alles Bescheid wissen um jedes Anzeichen richtig zu deuten... 

Die 2. Schwangerschaft lief problemlos, wieder nicht schlecht, oder Heißhunger oder so... Alles bestens. In der 17. SSW hatte ich erste Kindsbewegungen... und dann mal zwei Tage nix. Schon schoss mein Blutdruck hoch, aber wahrscheinlich eher vor Aufregung... aber dennoch schickte mich meine FÄ zur Kontrolle ins KH. Da lag ich dann eine Woche und bekam Medikamente... Mit dem Baby war alles in Ordnung... Ab da wurde ich dann auch krankgeschrieben. Mir ging es dann mit den Medikamenten sehr gut. Ich bekam niemals Wasser oder Eiweiß, ich sah wesentlich besser aus als in der anderen SS...

Ab der 25. SSW bekam ich vorsorglich Lungenreifespritzen, weil man ja nicht wusste, ob das Baby nicht früher geholt werden müsste. In den letzten 4 SSW ging ich zusätzlich zum Dopplern ins KH. Alles verlief nach Plan.

Wir hatten sehr viel Angst um unser Kind. Aber wir haben Gott vertraut und ich habe voll auch meinen Körper gehört, meinen Blutdruck beobachtet und einfach gehofft, dass es gut geht.

Und es ging gut. Am 20.06.01 wurde unser Baby per Kaiserschnitt geholt... 4 Tage vor Termin. Eigentlich wollte ich es normal bekommen, aber trotz Wehen und Gel am Muttermund hatte der sich kaum geöffnet. Als mir dann noch die Fruchtblase platze und der Muttermund immer noch erst einen Zentimeter auf war, habe ich dem Kaiserschnitt eingewilligt, weil ich keine Gefahr mehr für das Baby haben wollte....

Als ich aus dem OP ins Aufwachzimmer geschoben wurde, wachte ich schon auf (40 Minuten nachdem ich erst einschlief) und war topfit... meine erste Frage war, was es ist... ein Mädchen... ich heulte los. Wieder ein Mädchen... vielleicht habe ich mir einen Jungen gewünscht, aber irgendwie war ich doch froh wieder ein Mädchen zu haben... Dann bekam ich Lisa in den Arm... sie war so süß und gesund,  und sie hatte Ähnlichkeit mir Marie... Das war der glücklichste Augenblick in meinem Leben.... ich wollte sie nie wieder hergeben...

Es ist schon komisch, aber im Nachhinein sage ich mir oft, dass ohne Maries Tod, die Lisa nie entstanden wäre... und Lisa würde ich für nichts auf der Welt hergeben... ich bin froh, dass wir uns nicht entmutigen ließen, und gegen unsere Trauer angekämpft haben. Jetzt gehen wir mit Lisa zum Friedhof und reden mit Marie.

Ich kann allen EngelskindernMamis nur raten, lasst Euch von der Trauer nicht übermannen. Auch wenn es noch so schlimm ist, man kann nichts mehr ändern... Man kann nur jetzt leben und sein Leben so gestalten, dass es  in Zukunft schön wird. Die Vergangenheit ist nicht mehr änderbar. Klar ist bei jeder Folgeschwangerschaft Angst dabei, aber wenn man von vornherein mit der Angst, dass es wieder passiert in eine Neue SS geht, dann denke ich passiert eher was, als wenn man an ein Happy End glaubt. Das positive Denken hat mir sehr geholfen... außerdem bekommen die Babys alle Gefühlsregungen der Mutter mit...

und Lisa ist ein absolutes Traumbaby. Sie hat mit 9 Wochen durchgeschlafen... heult nur, wenn sie wirklich was hat und hatte sogar bei der letzten Impfung (2 Spritzen in den Po) kaum das Gesicht verzogen... ich hätte mir kein lieberes Baby vorstellen können.

So, ich hoffe, dass es vielleicht doch jemand geschafft hat, bis hierher zu lesen. Ich wünsche Euch allen eine schöne Zukunft, alles erdenklich Gute bei SS und Kindererziehung und nicht den Kopf hängen lassen.... zuviel Trauer kann nicht nur das eigene Gefühlsleben kaputt machen, sondern auch Ehe und Freundschaften...

Ich bin meinem Mann sehr dankbar, dass wir offen darüber geredet haben. Ihn hat es noch mehr angegriffen, als mich. Er hat 1994 sein Patenkind mit 8 Jahren hergeben müssen... Aber wir haben zusammengehalten und das Leid geteilt, danke Thomas. Wenn man die Trauer gut verarbeiten kann, dann ist alles viel leichter. Ich habe mir in meinen Kettenanhänger damals ein M gravieren lassen und jetzt noch ein L. Marie ist in unserem Stammbuch eingetragen... sie ist und bleibt unser erstes Baby, sie kann nur nicht bei uns wohnen...

Liebe Grüße

Katrin (ich freue mich über Post kathosomma@gmx.de)

hier noch Links: www.gestose-frauen.de, www.sternenkinder-Eltern.de, www.schmetterlingskinder.de

Bilder von unseren Beiden sind hier bei Folge-Babys und Engelskindern zu finden.