Mama von Lukas

Lukas: Urlaub 2001 - ist das nicht ein guter Zeitpunkt um in das Leben
seiner Eltern zu treten?
So dachte Ich, doch diese merkten das erst 4 Wochen später, obwohl Mama
schon früher etwas ahnte.
Jedenfalls ging es mir von Anfang an gut bei Mama, auch weil ich spüren
konnte, wie sehr sie sich auf unsere Zukunft freuen.
Am 27.09 zeigte ich mich von meiner allerbesten - wenn auch für sie klein
scheinenden - Seite. Auf dem Ultraschall war Ich deutlich auszumachen und mein
Herz konnte man schlagen sehen.
Jetzt ging es darum, zu wachsen.
Ich machte Mama gar nicht so viele Probleme, ihr ging es sehr gut und mir
auch.
Als sie jedoch zu viel gearbeitet hatte, bekam uns das nicht gut.
Sie bekam leichte Blutungen und fürchterliche Angst um mich.
Ich merkte davon nicht sehr viel - hatte genug zu tun mit der Wachserei. Das
konnte ich nämlich sehr gut.
Mama legte sich in ihr Bett und Papa musste alles übernehmen.
Die Beiden hatten in dieser Zeit ziemlich Angst um mich, doch es ging weiter
alles gut.
Am 13.12 war ein ganz besonders schöner Tag.
Die Blutungen hatten aufgehört, Mama konnte wieder etwas mehr unternehmen
und ihre Freude und Sicherheit wuchs, auch wenn sie ab und zu Bauchschmerzen
hatte und es ihr manchmal gar nicht gut ging.
Jetzt aber zum 13.12 - da zeigte ich nämlich auf dem Ultraschall, was ich
schon alles kann (am Finger lutschen und strampeln) und ich zeigte sogar, dass
Ich ein Junge werden würde.
Mein Name stand dann fest: Lukas.
Mama erzählte mir oft von meinem Namen und meiner Zukunft, wenn sie mich in
ihrem Bauch spüren konnte.
Am 19.12 merkten Wir Beide, dass etwas nicht stimmt.
Mamas Bauch machte Wehen und der Muttermund öffnete sich ein wenig.
Wir gingen gleich zum Arzt. Mit mir war alles in Ordnung, aber Mama sollte
ins Krankenhaus gehen, damit das auch so bleibt.
Der Muttermund sollte geschlossen werden.
Im Krankenhaus angekommen erfuhr sie bei der Untersuchung mit dem
Ultraschall, dass die Fruchtblase bereits ein wenig durch den Muttermund gekommen sei.
Sie weinte und weinte dabei ging es mir doch gut.
Ich strampelte heftig um ihr das zu zeigen - doch sie war verzweifelt.
Gegen Nachmittag dieses Tages bekam die Fruchtblase einen kleinen Riss und
etwas Fruchtwasser ging ab.
Mama glaubte das im Krankenhaus keiner.
Sie kam an den Wehentropf und wurde dadurch zittrig. Mir gefiel das alles
überhaupt nicht.
Mama war unendlich traurig und als Papa kam, weinten sie zusammen.
Mama ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass alles schlimmer war, als die Ärzte
annahmen.
Gegen Abend wurde ihr unglaublich schlecht und sie musste sich übergeben.
Mamas Bauch spannte sich dabei so an, dass der Riss in der Fruchtblase
größer wurde und nach und nach ging das Wasser indem ich so gerne lag einfach weg.
Trotzdem gab Ich mir Mühe, bei Mama zu bleiben - mir ging es auch immer noch
gut.
Mama kam dann in den Kreißsaal und wurde per Ultraschall untersucht.
Die Ärzte sagten, das Fruchtwasser sei weg, aber ich würde noch leben - so
war es auch.
Mama bekam Tabletten, die sie vorher nicht nehmen wollte, mir zuliebe.
Jetzt spiele das keine Rolle mehr wurde ihr gesagt.
Wir wussten Beide nicht was auf uns zukam - sie wollte es wohl nicht wissen.
Es war inzwischen 2 Uhr Nachts und da Papa auf meinen Bruder aufpassen
musste, kamen Oma und Opa zu Mama um sie zu trösten.
Alle weinten um das was geschah und geschehen würde.
Der Wehentropf war schon abgekommen, trotzdem war es Mama immer noch
unendlich schlecht.
Gegen drei Uhr schickte die Hebamme Oma und Opa weg - Mama solle schlafen.
Die Schmerzmittel ermöglichten ihr das - bis 6 Uhr morgens, denn da hatte
ich begriffen, dass ich nun Mamas Bauch verlassen sollte und sie bekam stärkere
Wehen.
Papa kam früh morgens und blieb bei Mama, die wegen der Betäubungsmittel
ganz abwesend war.
Sie wollte am liebsten nicht mitbekommen, wie ich zur Welt komme und sie
sagte, sie wolle mich nicht sehen.
Es gab aber keine andere Möglichkeit, als die Geburt mitzumachen.
Die Hebamme meinte, Ich wäre wohl schon längst tot, der Ultraschall zeigte
aber, dass Ich lebte!
Gegen 13. Uhr bekam Mama so starke Blutungen, dass der Arzt meinte, sie
hätte innere Blutungen.
Papa hatte jetzt auch noch um sie Angst.
Sie hatte trotz der Medikamente starke Schmerzen und wollte nicht mehr.
Ich war jetzt auf dem Weg und wurde um 13.17 Uhr geboren.
Sobald ich von Mama getrennt war, starb Ich, jedoch nicht eher.


Mama: Als unser Lukas geboren war, konnten wir ihn nur relativ kurz sehen,
danach wurde ich in Narkose gelegt und operiert.
Als ich wieder aufwachte, war es 17. Uhr. Mein Mann war nicht mehr da und
mein Baby auch nicht.
Ich hatte alle Ereignisse klar vor Augen und weinte die ganze Nacht.
Am nächsten Tag durfte ich bewusst von meinem Engel abschied nehmen. Ich
hielt seine kleine Hand und streichelte seinen Körper.
Wie gerne hätte ich ihm Wärme gegeben und die Liebe, die ihm zugestanden
hätte.
Jetzt sollte ich ihn hergeben.
Kaum vorstellbar, dass ich mich erst dagegen wehren wollte, die Geburt
durchzumachen - Ich dachte sogar, ich wolle ihn niemals sehen.
Mein Mann konnte Lukas leider nicht noch einmal sehen - ihm müssen die
wenigen Minuten nach der Geburt reichen.
Am 09.01.2001 war die Beerdigung von Lukas.
Als ich Heute an seinem Grab war, sah ich zwei Krähen auf dem Baum neben
seinem Grab sitzen.
Die eine schrie, bis ich zu ihnen hinaufsah.
Da fiel mir ein Satz aus einem Film ein "The Crow" da heißt es: "Die Liebe
ist stärker als der Tod"
So ist es.
Mein Engel ist für immer in meinem Herzen. Die Erinnerung werde ich niemals
hergeben müssen.