Minna

 

Erlebnis von Minna

Im Mai 1990 entschlossen mein Mann und ich auf Verhütung zu verzichten und uns noch ein drittes Kind anzuschaffen. Wir hatten schon zwei Buben (zu der Zeit 3 Jahre 4 Monate und 1 Jahr 5 Monate) und es wäre schön, wenn wir vielleicht noch ein Mädchen bekommen würden.

Im August verbrachten wir dann mit den Kindern einen Urlaub in Frankreich, der sehr schön war. In diesem Urlaub wurde ich schwanger. Allerdings hatte ich gleich ein komisches Gefühl. Bei uns in der Familie gibt es kein Familienmitglied, das im Sommer Geburtstag hat. Und laut meinen Berechnungen würden wir ein Maikind bekommen. Meine Schwiegermutter hatte ihr 1. Kind damals im Sommer verloren (Totgeburt), die Schwester meines Mannes hatte mehrere Fehlgeburten (die Kinder wären jeweils im Sommer geboren worden), die Kusine meines Mannes hatte mehrere Fehl- und Totgeburten. Auch diese Kinder wären jeweils im Sommer geboren worden. (Alle Mitglieder unser Familie sind in den Monaten Oktober bis April geboren).

Im September 1990 bestätigte mir mein damaliger FA die Schwangerschaft. Er benahm sich aber total komisch und fragte mich, ob ich wirklich ein 3. Kind wolle. Erst nachdem ich ihm das bestätigt hatte, gratulierte er mir zur Schwangerschaft. Da ich bei meinen beiden vorhergehenden Schwangerschaften immer einen Hode Pessar (das ist ein Porzellanring aus Meißner Porzellan, der dazu da ist, die Gebärmutter aufrecht zu erhalten) eingesetzt bekam, fragte ich auch dieses mal danach, aber mein FA war der Meinung, dieses mal ginge es auch ohne. Ich solle mich halt öfters auf den Bauch legen. Kein Problem für mich, denn ich bin sowieso Bauchschläfer, aber ein komisches Gefühl hatte ich schon.

Im Oktober fuhr ich mit meinen beiden Kindern und meinen Schwiegereltern zu einem dreiwöchigen Kururlaub auf eine Nordseeinsel. Mein FA hatte nichts dagegen. Da ich nach meiner Ausbildung fast 2 Jahre auf dieser Insel gearbeitet hatte, traf ich viele alte bekannte Inselmenschen. (hier auf dieser Insel lernte ich übrigens 1981 meinen Mann kennen und lieben) Der Urlaub bekam mir sehr gut und meine Schwiegereltern kümmerten sich ziemlich toll um die Kinder. So hatte ich auch einmal Zeit und Ruhe für mich.

Kurz bevor die drei Wochen zu Ende waren, bekam ich leichte Blutungen. Ich machte mir nicht viele Gedanken darum, hatte ich doch auch bei den beiden vorhergehenden Schwangerschaften Blutungen gehabt. Als sie aber etwas heftiger wurden, suchte ich einen Arzt auf. FÄ gab es hier allerdings nicht. Der Arzt machte nur einen Urintest auf Bakterien und meinte, ich solle mich ein paar Tage hinlegen. Das tat ich dann auch, aber die Blutungen hörten nicht auf.

Zum Wochenende reisten meine Schwiegereltern dann ab und mein Mann kam. Wir wollten noch ein paar Tage bleiben, denn nun hatte mein Mann endlich Urlaub. Mein Mann beruhigte mich wegen der Blutungen, aber ich hatte nun doch ziemliche Angst.

Als es sonntags immer schlimmer wurde, suchte ich einen anderen Arzt auf. Der hatte auch ein Ultraschallgerät und schallte auch sofort. Allerdings konnte er auf dem Gerät nichts sehen und begründete das damit, entweder sei mein Baby schon abgegangen oder es läge an seinem veralteten Gerät. Er drückte mir sofort eine Überweisung für das Krankenhaus an Land in die Hand und leitete alles in die Wege, damit ich am Spätnachmittag noch einen Hubschrauber an Land bekam. Fähren fuhren zu dieser Zeit schon keine mehr, denn es war ein höllischer Sturm angesagt.

Ich weiß überhaupt nicht mehr, wie ich es geschafft habe, in der Ferienwohnung noch einige Sachen zusammen zu packen und wie ich zum Flugplatz gekommen bin. Im Hubschrauber habe ich jedenfalls nur geheult und gedacht, wenn der Hubschrauber jetzt abstürzt, ist es auch egal. An meinen Mann und unsere beiden Söhne verschwendete ich keinen Gedanken mehr. Die waren mir im Moment total egal. Aber ich bin heil an Land angekommen, obwohl es wegen dem Sturm ein ziemlicher Höllenflug war.

An Land angekommen, bin ich dann mit einem Taxi zum Krankenhaus gefahren. Nachdem ich mich angemeldet hatte, mußte ich ziemlich lange warten, bis eine Ärztin kam. Ich saß auf einem Flur und habe nur geheult. Die Ärztin machte einen Vagina Ultraschall. So etwas kannte ich noch nicht. Ich konnte mein Baby ganz deutlich sehen. (so deutlich habe ich nie wieder eines meiner Kinder während eines Ultraschalles gesehen) Es war alles dran, aber als die Ärztin meinen Bauch rüttelte und schüttelte, bewegte es sich einfach nicht und auch das kleine Herzchen schlug nicht mehr. Ich schrie und tobte und die Ärztin konnte mich einfach nicht beruhigen. Ich glaube, sie hat mir dann auch ein Beruhigungsmittel gespritzt. Ihre Vermutung war, das unser Baby eine Chromosomen Störung hatte. Eine Chromosomen Störung? Aber ich war doch erst 27 Jahre und mein Mann war erst 28 Jahre! Und es kamen natürlich die üblichen Sprüche wie: "Sie sind ja noch so jung und können noch andere Kinder haben".

Ich kam dann auf ein Zimmer und bekam ein Mittel gespritzt, welches die Wehen auslösen sollte. Aber stundenlang tat sich nicht. Erst am nächsten Morgen, man wollte mir gerade noch einmal eine Spritze geben, setzten die Wehen ein. Auf einem Schieber verlor ich große Brocken Blutklumpen. (Dieses Material wurde auch eingeschickt und wie sich später herausstellte, hatte unser Baby keine Chromosomen Störung, sondern war einfach verhungert. Da ich keinen Hode Pessar hatte, war meine Gebärmutter einfach umgeknickt und hatte sämtliche Nährstoffe zu unserem Baby unterbrochen) Anschließend bekam ich noch eine Ausschabung und mußte noch 4 Tage im Krankenhaus bleiben. Und diese 4 Tage waren fürchterlich, weil mich niemand besuchen kam. Aber ich merkte, das ich nicht alleine betroffen war. Auf meinem Zimmer lagen noch zwei andere junge Frauen, die auch gerade ihr Baby verloren hatten. Wir konnten zumindest gemeinsam darüber sprechen. Ach ja, ich war übrigens Ende der 13. Schwanger-
schaftswoche.

Nun bekam ich allerdings Probleme. Milch begann zu laufen und ich suchte einen anderen FA auf. Der sagte mir klipp und klar, das diese Fehlgeburt durch das setzen des Hode Pessar hätte vermieden werden können. Mein Mann und ich überlegten noch, meinen alten FA zur Rechenschaft zu ziehen, haben es dann aber gelassen. Es hätte uns Kim auch nicht wieder zurückgebracht. Übrigens hat er dann einige Monate später die Klinik verlassen, an der er tätig war. Bei mir stellte sich nun heraus, das die Produktion der Milch mit meiner Schilddrüse zusammenhing. Durch Einnahme von Medikamenten bekam ich das aber wieder in den Griff.

Im Mai 1991 (so an dem eigentlichen Geburtstermin von Kim herum) wurde ich wieder schwanger und erlebte eine ziemlich unschöne Schwangerschaft. Körperlich ging es mir zwar gut, aber seelisch hatte ich natürlich Angst vor einer erneuten Fehlgeburt. Unser dritter Sohn wurde dann 5 Tage nach Termin geboren, machte uns aber nach seiner Geburt ziemliche Sorgen. Er hatte ziemliche Anpassungsprobleme und wir wurden mit dem Verdacht auf einen Herzfehler entlassen. Zum Glück bestätigte sich das nicht und nach Behandlung mit Krankengymnastik, Logopäden und Ergotherapie geht es unserem Sohn heute gut und er ist gesund.

Im Dezember 1995 wurde ich dann wieder schwanger und auch diese Schwangerschaft machte mir seelisch ziemlich zu schaffen. Mein FA überwachte mich ziemlich engmaschig und fast vier Wochen vor Geburtstermin wurde die Geburt unserer Tochter eingeleitet. Die Herztöne waren nicht in Ordnung und mir ging es ziemlich mies, weil wir kurz vorher im Bekanntenkreis eine Totgeburt in der 38. Schwangerschaftswoche hatten. Aber unsere Tochter war gesund.

Ich muß immer noch oft an Kim denken. Ganz besonders schlimm ist es an Feiertagen, oder wenn der Todes- oder Geburtstag sich jährt. Zudem heißt die beste Freundin meiner Tochter auch Kim. Immer wenn ich diese kleine Kim sehe stelle ich mir immer wieder vor, wie denn unser Baby Kim ausgesehen hätte.

Ich finde diese Homepage toll und schaue immer wieder regelmäßig hinein. Schade, das es so etwas noch nicht vor 10 Jahren gab.

Minna (mit Kim im Herzen)


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