Nadja Stalder

Nadja Stalder 26.9.00

Im Juni 1994 wurde unser erstes Kind, ein Junge, geboren. Wir waren überglücklich  und bald der Meinung, Dominic dürfe nicht lange alleine bleiben. Ich war überglücklich, als ich im Mai 95 wieder schwanger wurde. Als nach den ersten drei Schwangerschafts-Monaten alles in Ordnung war, fing ich an, mich auf unser "Würmli" einzustellen und freute mich, dass nur 18 Monate zwischen den zukünftigen Geschwistern sein werden. Auch meinen Freunden und Bekannten erzählte ich von meiner Schwangerschaft. Wir hatten auch schon bald die Namen für unser "Würmli": Sahra bzw. Raffael. Da am 14. August 95 der Schock - bei einer Routine Kontrolle in der 16. Schwangerschaftswoche stellte mein Frauenarzt den Tod unseres "Würmli" fest. Es muss bereits kurz nach der 12 Wochen-Kontrolle gestorben sein vermutlich wegen einer Plazentafehlbildung (sie began übermässig zu wachsen und verschlang alle Nährstoffe selber). Für mich kam dies alles total überraschend, denn ich hatte keinerlei Anzeichen für eine Fehlgeburt - keine Blutungen, keine Wehen - alles schien bestens. Ich kam mir irgendwie wie eine Mörderin vor, als ich am nächsten Tag zur Ausschabung ins Spital musste, auch wenn ich ja genau wusste und auch gesehen hatte, dass da kein Herz mehr schlägt. Die nächsten Wochen waren eine Qual, alle wollten wissen wies so geht und ich musste ihnen erzählen, dass da kein Baby mehr ist, dass mein Bauch so entsetzlich leer ist. Jedesmal wenn ich Dominic sah, musste ich an sein verlohrenes Geschwister denken. Auch heute über fünf Jahre später denke ich noch oft an mein verlohrenes "Würmli" (ich schreibe bewusst "mein", da mein Mann bis zum Zeitpunkt des Verlustes noch keine Bindung an das neue Baby in meinem Bauch hatte - es waren ja auch noch keine Kindsbewegungen spührbar). Ich wüsste gerne ob es eine Sahra oder ein Raffael geworden wäre und was für ein Menschlein es gewesen wäre. Ich wurde nur drei Monate später wieder Schwanger (bewusst - für mich war es die einzige Möglichkeit dem Verlust entgegen zu wirken; auch wenn Lea nie ein Ersatzt sein kann und es auch nicht so gedacht war). Diese Schwangerschaft war von Aengsten geprägt. Hatte ich doch zu Beginn immerwieder Blutungen und als die Kontrolle in der 16. SSW anstand, wäre ich am liebsten nicht hingegangen. Aber alles war gut und blieb gut bis zum plötzlichen vorzeitigen Blasensprung in der 34. SSW mit grünem Fruchtwasser, d.h. keine Zeit für Lungenreifung, das Infektionsrisiko wäre zu gross gewesen. Lea durfte auf natürliche Weise zur Welt kommen und wurde sofort in Kinderärztliche Obhut genommen. Vom zeiten bis zum fünften Lebenstag mussten wir um ihr Leben bangen, niemand hätte die Hand für sie ins Feuer gelegt. Nach beidseitigen Lungenrissen wurde sie mit 100% Sauerstoff beatmet. Unsere Freude war riesig, als es Lea langsam aber sicher besser ging und sie bereits nach einer Woche wieder von Aarau nach Baden zurück durfte und dann nach erstaunlichen nur 3 1/2 Wochen bereits nach Hause. Heute geht es Lea wunderbar und niemand würde ihren schwierigen Start ahnen. Im Januar 1999 kam dann noch David zu unserer Familie - nach einer völlig problemlosen Schwangerschaft und Geburt. Leider war auch er nicht einfach ein Baby zum geniessen aber das ist eine andere Geschichte und seit letzter Woche auch Geschichte. David gilt nun als nicht mehr Therapie bedürftig. Ich hoffe, dass andere Mamis und Papis mit leidvollen Erfahrungen aus meinem Bericht etwas Hoffnung schöpfen können und wünsche allen viel Glück, dass sie den Verlust verarbeiten können und allenfalls ein neues Menschlein kommen darf. Liebe Grüsse Nadja Stalder