Nicole

ZUR ERINNERUNG AN UNSERE KLEINE ASHLEY

 

Liebe Ashley

 

 

 

Bald ist Weihnachten, dass wird dieses Jahr ganz bestimmt ein sehr trauriger Tag werden, einerseits, weil Du nicht bei uns sein wirst, obwohl Du immer in unserem Herzen bist, und andererseits, weil Du genau an dem Tag vor einem Jahr entstanden bist. Dein Daddy und ich wissen das so genau, weil Du ja nicht geplant warst, sondern eben ein Unfall. Als wir den Unfall bemerkten sagte ich: Perfect timing, ich meinte das damals aber eher ironisch, aber aus heutiger Sicht kann ich sagen, es war der peerfekte Zeitpunkt. Dein Daddy und ich wollten warten, bis ich die Ausbildung fertig habe, und bis er in der Schweiz Arbeit gefunden hatte, wir wollten alles auf die altmodischen Art, am 18. Mai zuerst heiraten, und dann viellecith in ein oder zwei Jahren Kinder. Aber Du hast Du uns da schon gezeigt, wie stark Dein eigener Wille war, Du wolltest nicht erst in ein oder zwei Jahren kommen, sondern jetzt.

Der Anfang der Schwangerschaft war, obwohl ich koerperlich keine Beschwerden hatte, nicht sehr angenehm, ich war sehr gestresst, weil ich noch niemandem von Dir erzaehlen wollte, solange Dein Daddy noch in den USA war, wusste nicht, wie wir das alles gemeinsam schaffen koennten, mit Dir.

Aber dann begann sich alles zum guten zu wenden, wir erfuhren, dass nicht nur Du im September das Licht der Welt erblicken solltest, sondern auch Dein Cousin Noah. Dein Daddy kam, konnte seine Stelle beginnen, war beim ersten Ultraschall dabei, wo Du uns nur Dein Hinterteil zeigen wolltest, das war immer so, bei allen Ultraschalluntersuchungen, Du hast Dich so gezeigt, wie Du es gerade wolltest, Du warst schon sehr frueh unser kleines Maedchen, mit einem sehr eigenen Willen, Dein Daddy hat dann immer gesagt, dass haettest Du von mir. Alle haben sich riesig auf Dich gefreut, auch wir, wir fanden es wunderschoen, dass Du an unserem Hochzeit dabei sein wuerdest. Doch kurz, nachdem die Welt so wunderbar und toll war, begannen bei mir die Blutungen, man konnte keine Ursache feststellen, ich war einige Male im Krankenhaus, auch, an dem Tag, an dem wir eigentlcih heiraten wollten, so haben wir dann erst 10 Tage spaeter, allerdings immer noch im Krankenhaus geheiratet. In den Zeiten, in denen ich zu Hause liegen musste, haben viele Leute zu Dir und zu mir geschaut, besonders Dein Daddy: dafuer bewundere ich ihn sehr, war ich doch in dieser Zeit sehr oft schlecht gelaunt, so von der Aussenwelt abgeschnitten, aber ich wollte nicht aufgeben, ich wollte nicht aufstehen, ich wollte Dich nicht verlieren. Kraft konnte ich immer in den Momenten tanken, in denen Dein Daddy Dir vorgelesen hat, oder in denen wir alle Musik hoerten, jedes Mal, wenn er aufgehoert hat zu lesen, hast Du getreten, nicht stark, dazu warst Du zu schwach, aber es war jedes Mal, als wolltest Du sagen, noch nicht aufhoeren.

Anfang Juni wurden dann bei den Ultraschalluntersuchungen festgestellt, dass Du fuer die Schwangerschaftswoche viel zu klein bist, und wir bekamen einen Termin fuer einen Dopplerultraschall, aber darauf wolltest Du wohl auch nicht warten, denn am 17. Juni bekam ich Wehen, obwohl ich bereits Tabletten dagegen schluckte und die Fruchtblase ist mir geplatzt. Wir sind dann gleich nach Zofingen, ins Krankenhaus, wurden dann aber sofort nach Aarau ueberwiesen, da Du, falls Du schon bald geboren werden wuerdest nur da eine Chance haettest. Am selben Tag wurde dann auch der Dopplerultraschall durchgefuehrt, dabei sahen die Aerzte, dass irgend etwas nicht stimmte, was konnten sie aber nicht sagen, sie meinten nur, wenn du jetzt geboren werden wuerdest, haettest Du keine Ueberlebenschance, fuer mich brach eine Welt zusammen, das erste Mal, schien es fuer mich keine Hoffnung mehr zu geben, aber Du hast es auch dieses Mal wieder geschafft, mir die Hoffnung wieder zurueck zu geben, Du hast getreten, als ob Du sagen wolltest, hey Mommy, gib nicht so schnell auf. Am Montag morgen kam dann die Plazentabiopsie, um festzustellen, was Dir genau fehlte, die Testresultate sollten am Dienstag oder Mittwoch abend eintreffen. Am Dienstag kam noch nichts, und die Ergebnisse vom Mittwoch wolltest Du nicht abwarten, wahrscheinlich hast Du gewusst, was das fuer Dich bedeutet haette. Um 3.30 am Mittwoch, den 20. Juni bin ich aufgewacht, weil ich wieder starke Blutungen hatte, ich  wurde sofort in den Kreissaal gebracht, wo das CTG angeschlossen wurde, starke Wehen und Deine Herztoene verschlechterten sich zunehmend, die Aerzte teilten mir mit, dass sie sofort einen Kaiserschnitt machen muessten, ich habe also Deinen Daddy angerufen, und er hat sich sofort auf den Weg gemacht, wir zwei kamen in den OP, und bevor ich einschlief habe ich Dir noch einmal gesagt, wie sehr ich Dich liebe. Um 4.50 wurdest Du dann geboren.Als ich wieder aufgewacht bin, war die erste Person, die ich sah Dein Daddy, der sagte, Hallo Mommy, einer der schoensten Momente meinse Lebens, zu wissen, dass ich jetzt eine Mommy bin, dann kam der Arzt und gratulierte uns zu unsere kleinen Tochter, die erstaunlicherweise schon selbst geatmet haette und auch ein bisschen geweint haette. Dein Daddy hat dann alle Formalitaeten erledigt und ist dann gleich zu Dir ins Kinderspital, von wo er mit Photos wieder kam; obwohl Du so klein und zierlich gewesen bist, sahst Du so perfekt aus, und irgendwie sahst Du Deinem Daddy sehr sehr aehnlich. Am Abend durfte ich Dich dann das erste Mal sehen, Dich allerdings nur durch die Oeffnung des Brutkastens beruehren, noch nie zuvor hatte ich mich jedoch stolzer gefuehlt. Am Abend kam dann die Resultate von der Biopsie, das Resultat zeigte eine Trisomie des Chromosoms 18, Edwardssyndrom, bei Dir wurde dann allerdings nur die Mosaikform festgestellt. Die Aerzte meinten, da es fuer so ein Kind keine Ueberlebenschance geben wuerde, haetten sie sich den Kaiserschnitt auch sparen koennen, diese Worte zu hoeren tat mir sehr weh, denn Dein Daddy und ich waren uns einig, auch wenn Du nach der Definition der Aerzte nicht perfekt warst, und solche Kinder in der heutigen Zeit, nach Meinung der Aerzte nicht mehr noetig seien, fuer uns warst Du unsere kleine Tochter, und Ashley, dass bist Du immer noch. Nachdem ich nach Hause durfte, kamen wir Dich mehrmals taeglich besuchen, am Anfang ging es Dir noch gut, und Du bekamst sogar von meiner Milch, die ich fuer Dich alle 4 Stunden abgepumpt habe, doch dann bekamst Du eine Infektion, und keine Antibiotika konnte Dir helfen, wir durften Dich endlich auf unseren Armen halten, zum ersten Mal, aber leider auch zum letzten, am 7. Juli bist Du gestorben, aber in unseren Herzen wirst Du immer weiterleben, und wir werden niemals aufhoeren, Dich zu lieben.

Die Zeit, die wir mit Dir haben durften, in welcher Du uns gezeigt hast, wer und was Du bist, ist die wertvollste Zeit in meinem ganzen Leben, Du hast so vieles veraendert, uns so vieles gezeigt, Danke.