Orfelina

Orfelina 27.April 2000

Bin 32 Jahre alt und heiße Orfelina. Aus erster Ehe habe ich eine 8 Jahre alte Tochter. Vor 4 Jahren habe ich wieder geheiratet und die Freude war groß, als ich kurz danach schwanger war. Es war eine aufregende Schwangerschaft, da immer wieder etwas war. Blutungen, falsche Wehen, wieder Blutungen, musste oft liegen, aber dann, nach langem warten und bangen, kam unser Sohn zur Welt. Er war gesund. Doch leider, nach 9 ½ Wochen, war er nicht mehr unter uns. Todesursache: Eitrige Leptomeningitis verursacht durch Diplokokken    ( Pneumokokken ). Es war für uns ein Schock. So schnell kam der Tot und so schnell konnte man den Menschen den man liebte verlieren.

Viel  Zeit musste vergehen, bis ich endlich wieder schwanger war. Der Arzt hatte uns schon die Hoffnung genommen, da ich eine Hormonstörung bekommen hatte und die nicht in den Griff zu gekommen war. Immer wieder hatte ich Milch in den Brüsten, die verhinderte, dass ich einen Eisprung bekam.

Um so größer war dann die Freude, als ich merkte, dass ich schwanger war! Nun schnell zum Arzt, dass ich Medikamente bekam, damit mein Körper das Kind nicht abstoßt. Alles schien in bester Ordnung zu sein. Das Kind wuchs in mir. Doch wieder kam es zu Blutungen! Doch wir wussten ja von der zweiten Schwangerschaft, dass es doch auch gut ausgehen konnte! Die Blutungen ließen nach. Welch ein Glück. Doch der nächste US zeige keine Herztöne mehr an! Aber das Kind war doch noch da und die Schwangerschaft noch intakt! Das musste doch einfach am US - Gerät liegen! Man wartete eine Woche, um zu sehen, ob das Kind nun wuchs oder ob die Schwangerschaft zu Ende war. Es war eine lange Woche des bangen und des hoffen! Nun, die Woche war vorbei und ich hatte ein anderes US - Gerät vor mir! Doch die Antworten des Arztes waren die Gleichen. Die Schwangerschaft war intakt, das Kind hatte seine richtige Größe, aber immer noch kein Herzschlag mehr zu sehen! Das einzige was mein Arzt mir mitteilen konnte war, dass er der Meinung ist, das Kind sei in dieser Zeit nicht viel gewachsen. Wieder musste man warten, in der Hoffnung, dass es einfach wieder am US - Gerät lag! Doch nun war die Unsicherheit größer, da das Kind ja nicht viel gewachsen war. Jeden Tag der ohne Blutungen endete war ein Segen! Doch nach 5 Tagen trat die Blutung ein! Nun stand fest, die Fehlgeburt hatte begonnen.

Im Spital bestätigte der Arzt, dass es zur Fehlgeburt kommen wird. Ich durfte noch mit meinem Mann nach Hause, um ein paar Sachen zu packen und später zur Auskratzung zu kommen. Keine Ahnung, wie ich diese Stunden verbracht habe. Wir haben kaum ein Wort miteinander geredet. Was sollten wir auch reden. Der Schock war Groß! Schon wieder würden wir ein Kind verlieren, nach dem langen warten war es einfach unfassbar!

Nun war ich im Spital und war einfach dankbar, dass ich es nicht wegmachen musste, sondern das ich es verlor. Es klingt seltsam, aber ich hatte Mitleid mit all den Frauen, die einen Abtreibung hinter sich hatten. Ich hatte so viel Mühe, mein Kind hergeben zu müssen, aber was konnte ich machen, ich war dabei es zu verlieren, so oder so!

Ich verurteile keine Frau, die eine Abtreibung hinter sich hat oder noch vor sich, aber ich könnte es nicht machen. Ich hatte schon Mühe, mein Kind los zu lassen, obwohl es nicht mehr in mir lebte!

Mein Mann war bei mir geblieben und er war der erste den ich nach dem Wach werden sah. Ich bin froh, dass er ich solch einen Mann habe, der zu mir hält. Egal was passiert, wir helfen uns gegenseitig und es hat uns nur gestärkt!

Ich wünsche allen viel Kraft und das sie nie den Mut verlieren!

Liebe Grüße von Orfelina