Ramona und Rainer

Ramona und Rainer 11.8.00

Hallo, ich habe eure Seite im Internet entdeckt und meine Frau und Ich sind selber betroffen. Den ersten Sohn haben wir vor 2 Jahren am 25 Dezember wegen einer Gestose verloren. Dies ging so schnell das meine Frau

notoperiert werden musste und sie 3 Tage auf der Intensiv-Station in Lebensgefahr lag. Die Zeit danach war erfüllt von einer unheimlichen Leere. Die Hebamme damals im Krankenhaus, hat uns sehr unterstützt. Sie hat uns sehr viel gute Hoffnung auf den Weg gegeben. Nach der Beerdigung und diverser Schikanen der deutschen Behörden waren wir nur auf uns zwei gestellt. Es war unheimlich, viele haben spontan ihre Hilfe angeboten, aber man hat schnell gemerkt, das sie nicht  mit diesem Thema umgehen können. Das können wir selber ja manchmal auch nicht. 

Danach haben wir ein gutes Jahr überlegt ob eine 2. Schwangerschaft in Frage kommt. Die Natur hat uns dies aber abgenommen und meine Frau wurde erneut schwanger. Diesmal waren es Zwillinge beides Buben. Wir waren beide überglücklich, doch das Risiko der Schwangerschaft war uns bewusst. Nachdem 4 Monate alles normal verlaufen war, stellte der Frauenarzt fest, das der eine Zwilling dem anderen die Nährstoffe entzieht.

Danach folgten unzählige Doppler-Sono Untersuchungen und bange Stunden. Jede Woche ein Kontrolltermin und jede Woche war alles in Ordnung. Alles scheinte perfekt zu sein. Plötzlich spürte meine Frau keine Kindsbewegungen mehr. Wir fuhren sofort ins Krankenhaus. Aber auf der Entbindungstation lies man uns im Nebenzimmer ca. 2 Stunden warten. Danach kam ein junger Asistenzarzt und sagte, ohne meine Frau untersucht zu haben, das sie heute (es war Samstag) sowie nichts machen könnten und falls sich heraustellt das etwas nicht stimmte müssten wir sowieso in ein 200 km entferntes Krankenhaus fahren (nachts um 23.30h). Als Ich Theater machte und eine sofortige Untersuchung verlangte, wurde diese zwar vom Chefarzt durchgeführt, aber ohne Ergebnis abgebrochen. Wir sind dann heimgefahren und haben den woll schlimmsten Sonntag durchlebt, den man sich vorstellen kann. Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht, obwohl wir beide auf dem Ultraschall am Samstag Abend keine Kindsbewegungen mehr gesehen haben. Am Montag stellte dann der Frauenarzt entsetzt den Tod der beiden Kinder fest. Er hatte sofort entzürnt im Krankenhaus angerufen, aber die Ärzte haben wohl schon damit gerechnet. Als wir ankamen, haben sie sich verschämt in eine Ecke verkrochen und uns im anschliessenden Aufenthalt gemieden wie Aussätzige. Meine Frau wurde auf die Frauenstation verlegt, nach Bitteln und Betteln in ein Einzelzimmer. Das sei nach Meinung des Stationnsarztes überhaupt nicht nötig. Ich bekam weder was zu essen oder ein Bett im Zimmer meiner Frau. Sie musste die Zwillinge auf natürliche Weise zur Welt brigen und die Ärzte gaben ihr ein Mittel um die Wehen einzuleiten.

Ab diesem Zeitpunkt, waren wir völlig auf uns gestellt. Die Ärzte sagten mir wir sollten klingeln wenn es denn los gehen würde. Kalte Wut und Angst stieg ständig in mir hoch. Wir wurden in ein Zimmer gekarrt und

von meiner Frau wurde verlangt jetzt doch endlich die toten Kinder zur Welt zu bringen. Als die Wehen keinen Erfolg brachten, drängte ich den Stationsarzt, übrigens der Arzt von Samstagnacht, darauf endlich doch das Wehenmittel direkt in der Scheide anzubringen, um meiner Frau die qualvolle Zeit zu verkürzen. Bei der Geburt waren dann eine Hebamme, der junge Stationsarzt und eine Pflegerin anwesend. Unglaublicherweise hat die Hebamme mit fachlicher Präzision während der Geburt dem Stationarzt alle Einzelheiten über die Kinder und über den Ablauf der Geburt erzählt. Wir waren nur Objekte. Ich am Rande eines Nervenzusammenbruchs und meine

Frau mit der traurigen Aufgabe ihre toten Kinder auf die Welt zu bringen.  Als die Erklärung fast schon Diskussionsformen angenommen hat, bin Ich aufgestanden und habe sie gefragt, ob wir uns in einer Geburt

oder in einer Schulstunde befinden. Aber jetzt kommt die absolute Krönung, die Zwillinge waren auf der Welt,

die Hebamme hat sie in 2 Tücher eingewickelt und zu Füssen meiner Frau gelegt, dann war auf einmal alles vorbei. Das komplette Klinikpersonal hat den Raum verlassen, und die Hebamme sagte trocken, Klingeln sie wenn die Nachgeburt kommt. Sie können sich wohl vorstellen, das man sich das in dieser Situation bieten lässt. Denn die Kinder sind tod. Man hat sie Ihnen genommen. Als ich nach ca. 2-3 Minuten einen klaren Gedanken fassen konnte habe ich mich sofort auf den Weg in das Stationszimmer gemacht und habe dort leider die versammelte Mannschaft beim Kaffetrinken gestört. Nachdem Ich klare Worte an die Anwesenden gerichtet hatte, begleiteten sie mich in das Zimmer meiner Frau und warteten mit mir auf die Nachgeburt.

Beim ersten Kind haben wir die 100%ige Unterstützung durch die Hebamme erfahren, aber wenn wir nicht schon Erfahrung im Umgang mit dem Tod unserer Kinder gehabt hätten, dann wären wir an der abweisenden und

arroganten Art der Ärzte und des Personals zu Grunde gegangen.

Nach 5 Tagen konnte meine Frau das Krankenhaus verlassen, wir hatten eine anschliessende Aussprache mit dem Personal, das sich absolut keiner Schuld bewusst war, und mir ins Gesicht sagte, Ich könne froh sein, das

ich überhaupt bei meiner Frau übernachten konnte. Seitdem besuchen wir unsere Kinder immer wieder auf dem Friedhof, und es vergeht keine Minute die wir nicht an sie denken.