Sabine

 

Meine Geschichte

 

Es ist Sonntag und ich sage zu meinem Mann ich müsse mir etwas Zeit mit dem Baby nehmen, ich bin in der 32 SS schwanger. Als ich dann auf dem Sofa sitze und mein Bauch anschaue sage ich zu meinem Mann es käme mir komisch vor, ich sehe meinen runden Bauch und habe das Gefühl nicht schwanger zu sein.

Warum haben da bei mir nicht alle Alarmglocken geläutet, ich weiss es nicht.

Es war sehr ruhig im Bauch und sicher schlief unser Kind, ich hatte kein Grund zur Besorgnis. So ging es weiter bis Donnerstag, natürlich waren da keine Bewegungen oder doch, ich weiss es nicht mehr, ich wollte es nicht wissen. An diesem Donnerstag sagt dann eine Kollegin es sei ja immer gut täglich sein Kind zu spüren. Ich wurde still, war das nicht eine Bewegung oder etwa nicht. Am Freitag morgen war das Gefühl sehr stark ich musste doch schnell beim Arzt vorbei gehen um zu bestätigen dass alles in Ordnung war.

Der Ultraschall lag keine 5 Sekunden auf dem Bauch als der  Arzt sage „Oh nein..!“ Meine Antwort darauf war nur „Also doch“, es war keine Überraschung ich wusste es ja seit einer Woche. Ich war von da an die Mutter die alles organisieren musste und telefonierte als erstes meiner Mutter damit sie kommt um unsere 2 Jährige Tochter zu hüten. Dann mein Mann anrufen der im Ausland ist um ihm zu sagen dass unser Sohn gestorben ist. Auf der Heimfahrt hatte ich auf einmal Angst, werde ich es packen, werden ich diesen Tod verkraften, wird unsere Partnerschaft diesen Schicksalsschlag überstehen.

Seit dem Morgen war mein Bauch um die hälfte kleiner und stark abgesunken, ich war bereit das Kind loszulassen.

Ich ging mit meiner Nachbarin in den Spital um die Geburt auszulösen und nach ein Paar Stunden kam mein Mann. Ich hatte noch nie eine solche Kraft wie für diese Geburt, sie sollte so schön sein wie die seiner Schwester, das war das letzte was ich ihm geben konnte. Ich fühlte mich frei von allem bei dieser Geburt Was hatte ich noch zu verlieren, nichts, also schrie ich, schrie meine Trauer und mein Schmerz beim gebären. Dann kommt die Angst wie sieht unser Sohn aus, er war ja schon längere Zeit Tot, hatte ich ihn entstellt? Die Haut war an einigen Stellen offen, doch in seinem Pyjama, dass schon seine Schwester anhatte, und seiner kleine Mütze war er der Schönste Sohn. Wir machten hübsche Fotos und konnten lange mit ihm sein. Eine Pathologie wollten wir nicht, die Nabelschnur zeigte eine abnormale Verengung am Bauch und mit dem drehen war die Blutzufuhr unterbrochen.

Wir wussten was wir wollten alles kam klar, meine Mutter erlaubte uns Simons Asche im Urnengrab meines Vaters beizulegen, es war für mich der einzige mögliche Ort. Er sollte zu seinem Grossvater und nicht irgendwo alleine in einem Grab sein. Wir wollten nur unsere kleine Familie sein und als ich am offenen Grab stand hatte ich dieses Bedürfnis auch die letzte Handlung zu ende bringen und unser Sohn selber zudecken. So beerdigten wir unser Kind.

 

Es sind jetzt bald zwei Jahre her, was dazwischen ist, viel Schmerz am Anfang, viel Trauer, endlose leere. Mein Mann war immer noch sehr viel im Ausland und fing dann auch bald eine Zusatzausbildung an. Dies war für mich alles in Ordnung, die Traurigkeit ging immer mehr weg. Wut nein die hatte ich nie, es war das Leben, es geschieht ja viel mehr als man denkt. Doch nach über einem Jahr kamen diese Panikattacken. Für eine schramme meiner Tochter konnte ich nicht schlafen und war unruhig. Es drehte sich alles um unsere Gesundheit, hinter jedem Fieber sah ich schlimmes. Und es kommt immer so plötzlich WAS IST WENN… und dann dreht es und dreht es. Ich versuche mit Logik wieder auf den Boden zu kommen doch vielmals schaffe ich es nicht und geh mit diesem unsagbaren Bauchgefühl ins Bett. Doch es kostet mich Kraft und ich sehe selber wie es geschieht, ich sehe dass etwas tieferes Raus will, ich weiss es ist die Trauer, doch der Bauch lässt nicht los, schon wieder.

Nach einer zwei wöchigen Grippe ist es dann endlich so weit, ich kann nicht mehr gegen mich selber ankämpfen, ich bin so geschwächt dass ich endlich loslassen kann. Mein ganzer Oberkörper ist von der Anstrengung verkrampft, mit Kinesiologie und Osteopathie werden die physischen und seelischen Blockaden gelöst. Ich heule nur noch ! Alle sind da um mich zu unterstützen doch es hilft nichts ich muss alleine durch. Die Panik ist immer noch da doch sie wird immer weniger und dann kommt der erlösende Tag an dem ich meinem Sohn einen Brief schrieb in dem ich ihm sage wie sehr ich ihn hasse, alle Wut kommt raus, ja gegen mein Sohn, er hat mich verlassen und meine Liebe zu ihm konnte dieses Gefühl nicht akzeptieren, wie auch.. Endlich habe ich die Wut die mir erlaubt wieder Kraft zu bekommen um ihn gehen zu lassen und ihn zu lieben.

Ich fühle mich ruhiger, was nun kommt weiss ich nicht, vielleicht gibt es jetzt endlich Platz in meinem Herzen für ein Folgekind, bislang konnte es nicht klappen.