Uschi

 

Meine Geschichte ist traurig, geht aber gut aus!!!
1995, bei meiner 2. Schwangerschaft wurden Uregelmäßigkeiten bei den inneren Organen (Herz, Nieren, Gehirn) meines Kindes festgestellt. Auf Anraten des Ärzteteams ließ ich eine Nabelschnurpunktion vornehmen; das ist wie eine Fruchtwasseruntersuchung, nur, daß man statt Fruchtwasser eben Blut aus der Nabelschnur entnimmt, um scheller zum Ergebnis zu kommen. Ich war damals in der 22. SS-Woche.
Das Ergebnis dauerte 1 Woche - voller Bangen. Als dann die Ärztin anrief, um uns mitzuteilen, daß unser Kind eine seltene schwere Behinderung haben würde, und das Ärteteam zum Abbruch rät, war mir klar, was zu machen sei.
Wir vereinbarten für den nächsten Tag einen Termin für den SS-Abbruch. Damals dachte ich noch, Augen zu und durch, die Hebammen werden mir schon helfen, daß das alles sehr schnell geht.
Naja, 18 Stunden Wehen waren es dann, von Hilfe war sehr wenig zu spüren, außer den Schmerzmitteln, nach denen ich regelmäßig rief. Als dann endlich Preßwehen zu spüren waren, wollte ich aber nicht loslassen, und hielt das Kind noch zurück.
Erst als dann eine nette Ärztin kam, und mich ermunterte, an mein 1., eineinhalbjähriges Kind zu Hause zu denken, konnte ich pressen, und unsere tote kleine Tochter lag zwischen meinen Beinen. Das war der schrecklichtse Moment in meinem Leben, denn ihre Beine oder Arme kamen an meinem Oberschenkel an, ich spürte, daß sie warm war, weil sie ja gerade noch lebte, jetzt habe ich sie umgebracht!!! Am liebsten hätte ich geschrien, doch ich war derart unter Drogen, daß ich nichteinmal irgendetwas sagen konnte, nicht einmal weinen.
Das änderte sich bald, und es folgten viele traurige Wochen, und Monate. Ich versuchte das Erlebte zu verdrängen und wir bastelten verbissen an einer erneuten Schangerschaft. 6 Monate später war ich überglücklich über den positiven SS-Test, doch bald waren keine Herztöne zu sehen und in der 11. Woche folgte dann die Ausschabung. Ich war entzetzt, da ich annahm, wenn einem so etwas furchtbares wie mir schon einmal passiert ist, folgen wieder 7 Jahre Glück. Da habe ich mich aber verrechnet, denn ein weiteres halbes Jahr später war ich wieder schwanger und verlor auch wieder dieses kleine kuzre Glück!!!!
Damals war ich so verzweifelt, daß ich nicht mehr gerade denken konnte, ständig suchte ich nach der Ursache, überlegte, ob ich etwas falsch mache oder bei meinem Mann etwas schiefläuft.
Wir hatten ja ein gesundes Kind (Niklas), und somit war diese Sache aber nicht weiterzuverfolgen.
Da wir gerade vor einem Umzug in unser neues selbstgebautes Haus waren, nahm ich gerne den Rat einer Freundin an, einfach alles hinter mir zu lassen, und in Mödling, unserem jetzigen Zuhause ganz neu anzufangen. Nach dem letzten Abort, zwei Monate vor dem Umzug, beschloss ich, 1 Jahr nicht schwanger werden zu wollen.
Nach diesem Jahr der Erholung und der Neuorientierung (auch jobmäßig), war ich wieder schwanger, suchte mir einen neuen Arzt, der mich wirklich toll unterstütze. Er gab mir gleich mal den Rat, mit meinem Mann eine Therapie zu machen, und ab da war alles wieder gut. War waren nur 2mal bei einer Therapeutin, doch dort erreichten wir mehr in 2 Stunden als in den vergangene 2 Jahren.
Wir konnten uns dort von unserer kleinen Tochter verabschieden, gaben ihr endlich einen Platz in unserem Herzen und sprachen noch ein paar Worte zu ihr. Ich werde das nie vergessen, denn da war der Haken begraben, daß ich alles immer verdrängen wollte, erst als ich mit ihr reden durfte, kam ich darüber hinweg, daß ich sie habe gehen lassen.
Mein zweiter Sohn, mit dem ich damals schwanger war, war ein sehr anstrengendes Baby und Kleinkind. Ich bildete mir immer ein, daß das so war, weil soviel Last auf seiner Schwangerschaft war, und soviel Angst. Mittlerweile ist er fast sieben und das liebste Geschöpf auf Erden, neben seinen Geschwistern natürlich.
Denn eineinhalb Jahre nach seiner Geburt bekam ich noch ein Mädchen (Emily), und weil uns nicht beherrschen konnten, weitere 3 Jahre später noch einen Buben (Kilian).
Jetzt sind wir eine 6köpfige Familie mit all ihren Sorgen und Freuden und ich bin dankbar, daß ich mein Leben leben darf.
In meiner schwersten Zeit voller Traurigkeit und Versagensangst konnte ich mir nicht vorstellen, daß ich jemals wieder glücklich sein werde. Ich habe es geschafft, mit meinem Mann und mit meinen Freunden aus dieser tiefen Kriese wieder rauszukommen, und nicht den Mut zu verlieren, und ich hoffe inständig, daß all die traurigen Geschichten, die man hier oder auch anderswo liest, auch ein happy end haben dürfen.
Danke für dein Interesse
Uschi
Bei Kontaktwunsch: uschi.neuwirth@aon.at