Katrin

Tobias:

Dein Papa und ich haben uns dich so sehr gewünscht.

Wir waren unendlich glücklich, dass ich so schnell schwanger wurde.

Ich konnte den Termin bei der Gynäkologin kaum abwarten, weil ich so gespannt auf dich war.

Dann endlich war es soweit, der Tag der Untersuchung war gekommen.

Ich war überglücklich, als mir die Frauenärztin mitteilte, dass du dich in meiner Gebärmutter eingenistet hast (mehr war in dieser frühen Woche noch nicht zu erkennen).

Eine Woche später durfte ich erneut zum Ultraschall und ich sah dein Herz schlagen. Ich war überglücklich. Die Gynäkologin teilte mir noch mit, dass du etwas zu klein für die SSW bist, aber ich dachte gar nicht daran, dass irgendetwas nicht in Ordnung sein könnte. Mir ging es doch so gut. Ich fühlte mich total wohl mit dir.

Sie meinte nur, dass ich in einer Woche nochmals zur Kontrolle kommen solle.

Dann die traurige Nachricht: Dein Herz hat in der 9. SSW aufgehört zu schlagen.

Es war kaum zu glauben. Mein Kind ist tot.

Im Krankenhaus bekam ich die Bestätigung. Am nächsten Tag wurde eine Kurettage vorgenommen.

 

 

Philipp:

Wir ließen zwei Zyklen vergehen und versuchten unser Glück erneut.

Ich wusste sofort, dass ich wieder schwanger bin und freute mich riesig.

Dann bekam ich heftige Bauchkrämpfe und Durchfall, ich wusste mir überhaupt nicht mehr zu helfen und ging zum Hausarzt. Ich teilte ihm gleich mit, dass ich glaube schwanger zu sein, aber ein Test wäre noch ein bisschen zu früh. Der Arzt meinte, er habe einen Schwangerschaftsfrühtest und der würde auch jetzt schon das richtige Ergebnis anzeigen. Der Test fiel wie erwartet negativ aus. Ich sagte nochmals zum Arzt, dass ich mit Sicherheit schwanger bin, als Mutter spürt man das einfach.

Ich hatte eine schwere Darmentzündung (hoher Entzündungswert & Fieber) und ein Antibiotikum war unumgänglich (der Arzt versicherte mir aber, dass dies meinem Baby auch nicht Schaden wird, sollte ich doch schwanger sein).

 

Bei der Gynäkologin sah ich gleich deinen kräftigen Herzschlag und ich wusste, diesmal wird alles gut.

Bei dir war mir von Anfang an den ganzen Tag über schlecht. Ich bekam kaum was runter und nahm gleich mal 5 Kilo ab. Das setzte mir sehr zu (bin sehr schlank).

Beim Hausarzt bekam ich einige Infusionen um dir die wichtigsten Nährstoffe zu liefern.

Die ganze Schwangerschaft über hatte ich mit der Übelkeit sehr zu kämpfen. In der 27. SSW habe ich endlich wieder mein Normalgewicht erreicht. Ich nahm bis zum Ende der SS nur 3 Kilogramm zu.

Es war so ein schönes Gefühl dich in meinem Bauch zu spüren. Anfangs nur ganz leicht im Liegen, wenn meine Hand auf dem Bauch lag. Am 21.09. habe ich dich dann zum ersten mal so richtig gespürt, wie du in meinem Bauch herumgekugelt bist, du hast mich an der Bauchdecke gekitzelt.

 

23.12.2012 (31. SSW):

Ich hatte Bauchschmerzen und auch immer wieder mal einen harten Bauch. Dein Papa wollte sofort mit uns ins Krankenhaus fahren, doch ich meinte, dass ich bestimmt nur wehleidig bin und alles in Ordnung ist.

Als es mir am 24.12. nicht besser ging, blieb dein Papa zum Glück stur und überredete mich doch ins Krankenhaus zu fahren. Die Gynäkologin dort meinte, wenn wir später gekommen wären, hätten wir dich nicht mehr aufhalten können. Dein Köpfchen lag schon ganz weit unten. Ich hatte vorzeitige Wehen und der Gebärmutterhals war bereits verkürzt.

Ich bekam sofort Wehenhemmer verabreicht und wurde stationär aufgenommen.

Die Spritze für deine Lungenreife wurde mir auch gleich gegeben. Ich hatte schreckliche Angst um dich.

Nach einer Woche Krankenhausaufenthalt und Bettruhe wurden wir wieder nach Hause entlassen.

 

27.01.2013 (SSW 35+3)

Um 08:30 Uhr hatte ich den Blasensprung und kurz darauf begannen auch schon leichte Wehen.

Ich habe meinen Mann aufgeweckt und ihm mitgeteilt, dass es schön langsam los geht. Ich hüpfte noch gemütlich unter die Dusche und dann fuhren wir ins Krankenhaus.

 

Um 15:46 Uhr wurdest du geboren. Aber ich hörte dich nicht schreien und die Ärztin ist sofort mit dir im Nebenraum verschwunden. Ich hatte schreckliche Angst um dich. Doch dann endlich Entwarnung. Philipp hatte nur ein paar Anpassungsschwierigkeiten aber nun ist alles in Ordnung. Er wurde mir ganz kurz auf die Brust gelegt und dann in ein Wärmebettchen ins angrenzende Kinderspital verlegt, da er ein Frühchen war. Nach einer Woche Krankenhaus durften wir nach Hause.

 

Philipp wurde viereinhalb Wochen zu früh, aber gesund zur Welt gebracht.

Wir sind überglücklich einen gesunden Sohn haben zu dürfen.

 

 

 

Luca & Finn:

Wir wünschten uns noch ein Geschwisterchen für Philipp.

Ich wurde sofort wieder schwanger und wir freuten uns unheimlich.

Der Besuch beim Gynäkologen war erfreulich. Wir sollten Zwillinge bekommen. Es schien soweit alles in Ordnung zu sein. Beide Herzen haben kräftig geschlagen und ihr hattet die richtige Größe. Nach der Untersuchung hatte ich leichte Schmierblutungen und ich rief in der Praxis an. Die Sprechstundenhilfe meinte, dass das nach der Untersuchung öfter vorkommt. Ich soll mir keine Sorgen machen, es passt bestimmt alles. Die Blutungen gingen dann auch bald wieder weg und ich dachte mir nichts mehr dabei.

Auch in dieser SS war mir wieder recht übel. Ich dachte, es sei ein gutes Zeichen und wusste ja wofür. Beim Hausarzt bekam ich wieder Infusionen um euch mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen zu können.

Frohen Mutes gingen wir zum nächsten Kontrolltermin am 23.12.2014 (12. SSW).

Der Arzt machte einen Ultraschall und ich sah bereits in seinem Gesichtsausdruck, dass etwas nicht in Ordnung ist. Dann die erschütternde Nachricht. Beide Herzen haben aufgehört zu schlagen. Unsere Babies sind vermutlich schon in der 9. SSW von uns gegangen. Ich habe meine Zwillinge 3 Wochen tot herumgetragen und es nicht einmal bemerkt.

Am selben Nachmittag fuhren wir noch ins Krankenhaus um es bestätigen zu lassen.

Am 29.12.2014 wurde dann die Kurettage vorgenommen.

Bis dahin hielt auch die Übelkeit an.

 

 

 

Lena:

Wir versuchten unser Glück erneut.

Auch diesmal wurde ich sofort schwanger.

Am 22.04.2015 hatte ich einen Termin beim Gynäkologen und war sehr aufgeregt.

Auf dem Ultraschall sahen wir, dass sich in meiner Gebärmutter wieder jemand eingenistet hatte und ich war unwahrscheinlich froh darüber. Mehr konnte man in dieser SSW noch nicht sagen. Für einen Herzschlag war es noch zu früh.

Am 01.05.2015 (8. SSW) bekam ich Blutungen. Ich dachte mir nur, bitte nicht schon wieder. Ich brachte Philipp noch schnell zu Oma & Opa und fuhr dann sofort ins Krankenhaus. Es sah nicht gut aus. Es war immer noch kein Herzschlag zu sehen und unser Engel war auch zu klein. Wir mussten unsere Kleine ziehen lassen.

Diesmal wurde keine Kurettage vorgenommen, weil der Arzt im Krankenhaus meinte, es sei noch so klein, da macht man sowas nicht. Ich sollte es besser so abgehen lassen, dass würde nur wie eine stärkere Regelblutung sein und dann ist alles vorbei.

Am 03.05.2015 bekam ich Bauchschmerzen (ähnlich wie leichtere Wehen) und sehr starke Blutungen. Das ganze dauerte 6 Stunden lang, es war schrecklich. Zum Glück war Philipp an diesem Tag bei Oma & Opa.

 

 

 

Im Juli 2015 hatte ich dann einige Untersuchungen im Krankenhaus (wird in Österreich erst nach drei Fehlgeburten gemacht). Es wurde eine Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung) gemacht. Meine Blutwerte in der Gerinnungsambulanz wurden angesehen und das Erbgut bei der Humangenetik wurde von mir und meinem Mann auch noch überprüft. Alles unauffällig, alles in bester Ordnung. Somit musste es diesmal einfach klappen mit einem weiteren Baby.

 

 

 

Jona:

Am 21.09.2015 hatte ich einen Termin bei meinem Gynäkologen um mir die Schwangerschaft bestätigen zu lassen. Es hat sich glücklicherweise wieder jemand in meiner Gebärmutter eingenistet. Nach Absprache mit dem Arzt versuchten wir es diesmal mit Medikamenten, um die ersten zwölf Wochen gut zu überstehen, danach sollten diese langsam wieder abgesetzt werden (lt. Arzt und Internet konnte damit schon einigen Müttern mit mehreren Fehlgeburten weitergeholfen werden).

Am 06.10.2015 hatte ich den nächsten Kontrolltermin und ich war überglücklich als ich dein Herz auf dem Bildschirm hüpfen sah. Nur mein Harn war nicht so ganz in Ordnung. 6 Tage später bei der Harnkontrolle war wieder alles ok.

Am 17.10.2015 (10. SSW) hatte ich dann Schmerzen im Bereich der Nieren. Mein Mann und ich sind ins Krankenhaus gefahren um es abklären zu lassen. Der Gynäkologe dort meinte, wir sollten uns als erstes mal anschauen wie es unserem Baby geht.

Er hielt das Ultraschallgerät auf meinen Bauch und ich sah nichts mehr hüpfen. Auch dein Herz hat aufgehört zu schlagen. Kaum zu glauben, mir ging es doch so gut mit dir. Mir war gar nicht schlecht und ich fühlte mich wohl. Meine Nieren wurden dann noch überprüft, doch diese waren in Ordnung.

Am 19.10.2015 wurde dann wieder eine Kurettage vorgenommen.

 

 

 

Meine fünf Engelchen, ich vermisse euch so sehr.

Ich musste euch alle gehen lassen und verstehe es einfach nicht.

WARUM???

 

Nun bin ich 6-fache Mama mit einem Kind an der Hand und 5 im Herzen!

Ich fühle mich oft so, als ob ein Teil von mir mitgestorben wäre.

Ich bin traurig. Ich fühle mich so leer ohne euch. Ihr fehlt.

Ich zweifle oft an mir selbst, obwohl ich eigentlich weiß, dass ich nichts falsch gemacht habe in den Schwangerschaften.

An manchen Tagen funktioniere ich nur noch für meinen Sohn Philipp.

Langsam kommt wieder etwas mehr Lebensfreude zurück und es fällt mir wieder etwas leichter zu lachen.

 

Ich habe mir so sehr noch ein Geschwisterchen für Philipp gewünscht.

Aber es soll anscheinend nicht mehr sein, warum auch immer ....

Ich glaube, dass ich auch keine Kraft und kein Vertrauen mehr habe, es nochmals zu versuchen. Vielleicht ist es auch zu viel verlangt mir noch ein weiteres gesundes Kind zu wünschen.

 

Mir wird immer noch mehr bewusst, welch großes Wunder unser gesunder Sohn Philipp ist. Es ist absolut nicht selbstverständlich.

 

Ich weiß, ich sollte einfach glücklich sein und mich freuen, dass ich ein gesundes Kind haben darf. Aber es ist so schwer zu akzeptieren.

 

 

In Liebe Eure Mama