Monika Ganzoni-Bernet

Monika Ganzoni-Bernet 25.01.01

Liebe Käthy

Gerne sende ich Dir die Geschichte von unserem Lars für die Rubrik Erlebnisse auf der tollen HP Engelskinder: 

Auf die erste SS musste ich 1 1/2 Jahre warten. Als ich im Oktober 95 in der 13. SSW das Kind verlor, machte mich das sehr traurig. Ein Trost war jedoch, dass ich die Gewissheit hatte, schwanger werden zu können. Im Dezember 96 wurde Pascal geboren. Als er seinen ersten Geburtstag feierte, verspürte ich den Wunsch, wieder schwanger zu werden. Im nächsten Monat war ich es bereits. Anfangs 36. SSW hatte ich nachts einen Blasensprung und fuhr mit meinem Mann sofort ins Spital. Dem Kind ging es gut, keine Wehen, es hiess abwarten. Nach über 24 Std. setzten am Mo Morgen 14.09.98 die Wehen ein. Es wurde eine sehr schöne Geburt (trotz Steisslage vaginal, da erst Anfang 36. SSW. und liegend auf dem Bett mit Kniestützen, zuschauenden Assistenzärzten). Als mein Arzt mir sagte, bei der nächsten Presswehe müsse der Kopf kommen, gab ich alles. Unser Sohn LARS wurde um 11.30 Uhr mit einem Gewicht von 2470 g geboren und wir Eltern waren überglücklich. Da er etwas Mühe mit dem Atmen hatte, kam er in den Brutkasten. Ich sass davor und durfte durch die Oeffnung hindurch den kleinen Lars streicheln, anschauen und kennenlernen. Gegen 15.30 Uhr (ich war seit ca. 1/2 Std. im Zimmer und wollte etwas schlafen, ich hatte die letzte Nacht auch kein Auge zugetan) teilte man mir mit, dass Lars mehr Mühe mit Atmen habe und er besser verlegt werden sollte. Wegen Wind konnte der Helikopter nicht fliegen, so wurde die Ambulanz geschickt. Ich sass sofort wieder zu Lars an den Brutkasten im Säuglingszimmer. Gegen 16.30 Uhr war die Ambulanz mit Arzt da. Für den Transport musste Lars intubiert werden. Beim Anblick des riesigen, fahrbaren Brutkastens kamen mir die Tränen. Der Arzt meinte jedoch, in 2-3 Tagen könne Lars wieder zu mir kommen. In dieser Nacht habe ich tief geschlafen und von Lars geträumt. Abends um 22.00 Uhr wurde mein Mann vom Spital angerufen und erhielt die Nachricht, dass Lars soeben gestorben sei. Die Geburtsanzeigen waren bereits auf der Post und unser Lars war tot. Er durfte nur 10 Std. bei uns sein. Die  Nachricht traf uns völlig unvorbereitet, es war ein grosser Schock. Wir stimmten der Obduktion zu  mussten erfahren, dass Lars gesund war. Er starb an einer Streptokokken-Sepsis (Infektion). Bei  Neugeborenen kann diese Infektion innert weniger Stunden zum Tod führen, wenn kein Antibiotika verabreicht wird. Lars erhielt es zu spät und erlitt einen Kreislaufkollaps, die Aerzte vermuteten zuerst einen Herzfehler. Hätte ich bereits vor der Geburt aufgrund des Blasensprungs Antibiolika erhalten (was mein FA auch anordnete, die Kinderärztin jedoch nicht einverstanden war), würde Lars heute wohl noch leben. An dieser Tatsache kaue ich heute noch sehr hart. Nun mussten wir also eine Beerdigung organisieren. Es war so schwer. Man wollte uns zur Geburt gratulieren, dabei war Lars tot. Im Spital war er aufgebahrt und man legte ihm Blumen in die Hände. Wir konnten so lange bei ihm sein wie wir wollten. Dann wurden wir über die Möglichkeit informiert, Lars in unserem Auto nach Hause zu nehmen. Heute bin ich unendlich dankbar dafür, dass ich Lars auf dem ganzen Weg (1 Std.) im Arm halten konnte und ihn so auch nach Hause bringen durfte. In seinem kleinen weissen Sarg war er dann drei Tage in der Aufbahrungshalle aufgebahrt, wir drei konnten ihn jederzeit besuchen und weinten viele Tränen dort. Wir kauften ihm schöne Kleider Gr. 50. Ich hatte sehr viel Milch und musste abpumpen. Dafür musste ich 3 x ins Spital auf die Geburtsabteilung, es war ein Horror. Am Freitag um 11.00 Uhr fand die Beerdigung statt. Alle zündeten eine Kerze für Lars an und steckten eine Rose für ihn in einen Kranz. Mein Mann trug den kleinen Sarg dann zum Grab (mein Vater starb 1970 an Krebs und wir wollten Lars zu seinem Grossvater legen), es war ein ganz schwerer Gang, aber er wollte es selber tun und es hat ihm nachher viel geholfen. Das Schlimmste war, als der Sarg ins tiefe Grab hinunter gelassen wurde. Im März 99 gründete ich mit anderen Frauen zusammen die Selbsthilfegruppe "zäme truure" (gehört zum Regenbogenverein) für Eltern die Ihr Kind während der SS, kurz vor oder nach der Geburt verloren habe. Mir haben die monatlichen Treffen sehr geholfen, ich gehe immer noch regelmässig hin. Diese HP kenne ich noch nicht lange, finde es jedoch eine grosse Hilfe für alle Betroffenen.