Nataly

Nataly 1.1.01

Hallo, liebe Autorin dieser Homepage! Ich habe heute per Zufall im Internet u. a. diese Seite gefunden und irgendwie das Bedürfnis "meine Geschichte" gleichfalls mittzuteilen - zum einen, um über die Geschehnisse hinweg zu kommen, zum anderen mir aber wieder Mut zu machen und auch Frauen den Ansporn zu geben, über die Geschehnisse zu sprechen und nicht zu unterdrücken.

 

Im Januar 2000 habe ich nach 14jähriger Pilleneinnahme die Pille abgesetzt! Ich war zu damaligen Zeitpunkt 32 Jahre alt, bereits schon seit knapp 10 Jahren als Chefsekretärin berufstätig; mein Mann endlich beruflich etabliert und ich hatte endlich das Verlangen meinem Wunsch nach Familienzuwachs nachzugeben. Und so

setzte ich einfach die Pille ab .... Im März 2000 hatte ich das erste Mal solche Schmerzen im rechten Unterbauch, daß mein Frauenarzt mich mit Verdacht auf Blinddarmentzündung ins Krankenhaus einwies. Ich hatte aber die Vermutung, daß es sich hier um einen Eisprung handelte, den ich das erste Mal so bewußt und

schmerzhaft erlebt hatte, wie schon viele Jahre lang nicht mehr.Ich muß dazu sagen, daß ich extrem mit meinen körperlichen Abläufen den hormonellen Part, Regelzyklus und Eisprung sehr, sehr gut vertraut war und es noch bin. Ich hatte nach der Pillenabsetzung einen relative schnellen und pünktlichen 28Tage-Regelrythmus erzielt und erhoffte, daß dies hilfreich bei der angestrebten Empfängnis sein würde. Zum Anfang September 2000 hatte es dann auch geklaptt; ich war schwanger! Die Bestätigung holte ich mir zunächst über einen Schwangerschaftstest an einem Sonntag aus einer Apotheke mit Notdienst, denn ich hatte die Schwangerschaft sehr schnell gespührt und auch gefühlt. Jetzt konnte ich auch nachvollziehen,

wenn Frauen oder Betroffene oftmals sagten oder berichteten, man würde sich "schwanger" fühlen! Am nächsten Tage, also den darauffolgenden Montag, ging ich zu meinem Frauenarzt, der mich untersuchte und mich nach den Symptomen wie Brustziehen, Übelkeit und all die klassischen Begleiterscheinungen befragte - denn das Ultraschallbild ergab zunächst nur die Ansicht des Gelbkörperhormons ... mehr wäre noch nicht zu

erkennen und ich solle in 4 Tagen nochmal erscheinen, dann könne mann wesentlich mehr erkennen. Gesagt - Getan! 4 Tage später hatte ich die 100% Bestätigung und ich befand mich zu diesem Zeitpunkt in der 5. bzw. 6. Woche.Ich konnte das alles nicht verstehen, ich habe mich auf der einen Seite wahnsinnig gefreut und auf der anderen Seite bekam ich tierisch Angst. Mir fiel spontan der Spruch ein:"Die Geister, die ich rief', werd' ich nun nicht mehr los!". Hinzu kommt, daß ich Raucherin bin - keine Starke wohlgemerkt, aber Raucherin. Der Suchtfaktor in meinem Kopf überwog, ich hatte zwar nur 5-6 Zigaretten geraucht, aber das schlechte Gewissen war jedesmal da. Hinzu kam - und kommt immer noch -, daß mein Job sehr aufreibend ist und viel Einsatz und auch z. T. körperliches Engagement (Laufen, Papiere, Ordner schleppen etc.) beinhaltet und ich aufgrund der Berufstätigkeit es auch stets gewohnt war, viel zu tun, Feuer auszutreten und überall aktiv dabei zu sein. Und dann fing auch gleichzeitig die große geistliche Diskrepanz an zwischen Gebrauchtsein im Beruf

und Verantwortlichkeit im in der Zukunft für Kind und Familie. Ich habe das im Herbst vergangenen Jahres gedanklich nicht auf einen Nenner brigen können, bin aber schizophrener Weiser zu H & M gelaufen und hab' die ersten Babysachen gekauft. Ich habe "rum erzählt", daß ich schwanger bin, ich mich freue und habe

gleichzeitig in Streßzeiten beruflich geackert "wie eine Blöde", um den Zustand auch zu verdrängen, daß in mir etwas wächst und mich womöglich auch braucht. Bis zum September hatte ich gejoggt und knapp 8 Kilo abgenommen. Als ich aber erfuhr, daß ich wirklich schwanger war, fing ich schlagartig an zu essen, mich

gehen zu lassen, keine sportlichen Betätigungen (in milder Form) mehr auszuüben und mich nur dem Gefühl des "schwanger seins" hinzugeben. Mir war nicht wirklich schlecht, ich war nur immer sehr, sehr müde und hatte diese überhöhten Geruchwahrnehmungen, einen Busen, der mir jeden Moment zu platzen schien und

eine Menge Angst ....Ich bekamm meinen Mutterpass und im Verlauf der 9. Woche stellte ich seit ca.

2-3 Tagen fest, daß ich so eine Art Schmierbluten hatte. Nix wildes aus meiner damaligen Sicht, wie eben meine typischen Zwischenblutungen und ich habe ich nicht wirklich für mich realisiert, was dies u. U. zu bedeuten hätte. Gehört hatte ich schon eine Menge, aber für mich selbst galt das alles nicht. ...Ich bin nach Einsatz der Schmierblutungen - ca. 3 Tage später - zum Artzt. Es war ein Montag. Mein Doktor schaute nach und konnte aber keine Ablösungen oder ähnliches weiter feststellen; im Gegenteil; daß erste Mal konnte ich sogar auf dem Monitor die embryonale Form erkennen und hatte vor Glück geweint ... Jetzt war ich bereit, daß Kind anzunehmen und mich von Herzen zu freuen. Die etwas verhaltenene Reaktionen meines Frauenarztes hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht wahrgenommen und auch nicht weiter hinterfragt, warum er mir Blut abnehmen würde, um eine ggf. hormonell zu erkennden Abwehrreaktion des Körpers gegen den Embryo nachzuweisen. Er sagte mir nur, ich solle nochmal in 4 Tagen später wiederkommen, damit wir dann die Herzfunktionen des Embryos sichtbar machen können und feststellen, daß auch wirklich alles in Ordnung wäre. So sei noch nichts zu sagen... Im Laufe dieser Woche stellte sich eine Traurigkeit ein, die ich zu diesem Zeitpunkt nicht näher definieren konnte und irgendwie freute ich mich aber auf den 4 Tage später kommenden Donnerstag, an dem ich dann die Gewissheit hätte bekommen, daß ich auch Ultraschallbilder des Embryos meinem Mann hätte zeigen können. An etwas anderes hatte ich an diesen Tagen nicht gedacht. An dem besagten Donnerstag Abend bin ich dann auch wieder zu meinem Doktor gegangen und als er die Ultraschallaufnahmen von dem Embryo machte, bekam ich ein ganz komisches Gefühl. Warum lag der Embryo oben links in der Ecke? Und wieso war er so platt? Beim Versuch die Herztöne sichtbar zu machen, war mein

Doktor erfolglos und sagte mir zum Ende der Untersuchung:" Es tut mir leid, aber ich kann keine Herztöne sichtbar machen. Der Embryo ist nicht mehr gewachsen und viel zu klein für die mittlerweile 10. Woche...." Ich kam wie vom Donner gerührt vom Untersuchungstuhl und dann brach es aus mir heraus... Schmerz, Kummer,

Verlust und entsetzliche Trauer. Mein Mann war mit in der Praxis und hörte mich aus dem Untersuchungszimmer weinen. Mein Doktor ging zu meinem Mann und unterrichtete ihn über die Feststellung und mein  Mann war gleichfalls schockiert aber dennoch sehr gefasst. Diese Momente spulen sich immer wieder in meinem Kopf wie ein Film aber und da ist immer noch dieses große schmerzhafte Gefühl, etwas verloren zu haben... Mein Frauenarzt bestätigte mir, daß es garantiert nicht mit dem Rauchen zusammenhänge und daß es sehr, sehr vielen Frauen passieren würde, die eine Fehlgeburt bekämen. Das bedeutete nicht, daß

ich keine Kinder bekommen würde und es wäre sinnvoll, jetzt das Embryo und die Plazenta zu entferen, damit keine weiteren körperlichen Schäden eintreten würden. Ich entschied mich, diesen Eingriff von meinem Arzt vornehmen zu lassen, weil ich Angst hatte, dies im Krankenhaus zu erleben. Die würden mich mit Sicherheit dort nicht so trösten und auffangen können, wie mein Arzt, seine Helferinnen, mein Mann und meine beiden Mütter (inklusive Schwiegermutter) hätten tun können. So war es denn auch. Tags darauf bin ich wieder in die Praxis zu meinem Frauenarzt gefahren und dieser hatte mir per Absaugmethode alles enfternt. Ich nehme seit dem Eingriff die Pille wieder zwecks schneller und guter Rückbildung des Unterleibes und jetzt greife ich auch wieder zur Folsäure, um einen besseren Nährboden für die nächste Schwangerschaft zu bereiten. Ich hatte

zwischenzeitlich mit dem Rauchen aufgehört, bin aber wieder angefangen und rauche jetzt von Zeit zur Zeit bis zur nächsten Schwangerschaft. Mein Doktor hatte das Embryo und die Plazenta in ein medizinisches Labor

eingeschickt, um prüfen zu lassen, ob irgendwelche krankheitsbedingen Fehler Ursache für die Fehlgeburt sein könnten. Das Labor antwortete allerdings nur, daß es sich bei dem "eingeschickten Material  um einen ganz normalen Abortus ohne weiter Hinweise auf organische oder wie auch immer geartet genetische Defekte handeln würde". Das ganze ist nunmehr knapp 3 Monate her. Ich bin im Immunsystem noch ziemlich geschwächt, will heißen, daß ich rund 3 bis 4 Wochen an extrem hartnäckigen Erkältungskrankheiten laboriere. Nach dem Eingriff, ca. 14 Tage später, bin in wieder in den Berufsalltag eingestiegen, bei dem ich aber

gegenwärtig Schwierigkeiten habe, an alte Leistungen anzuknüpfen, weil mein Nervenkostüm extrem angeknackst ist, ich Probleme mit Streß- und Alltagsstreßsituationen habe und ich feststelle, daß meine Lebensausrichtung eine neue Priorität bekommen hat. Ich hoffe, daß ich zu einem späteren Zeitpunkt Ihnen einen folgenden positiven Bericht über die nächste Schwangerschaft senden kann und im Moment ist fü mich

das wichtigste, mit dem Erlebten klarzukommen und zu verstehen, daß mein "Seelchen" oben im Himmel sitzt und sich auf den nächsten Anlauf vorbereitet, um sich bei mir endgültig "einzunisten" und mit mir und meinem Mann das Leben gemeinsam zu genießen. Ihre Nataly, 33 Jahre, Stuhr/Varrel (bei Bremen)